Berlinskibeat – Gassenhauer (CD-Review)

BerlinskiBeat - Gassenhauer

Beim neuen Projekt BERLINSKIBEAT möchte man beim ersten Hören beinahe nicht glauben, dass dahinter die Musiker von CORVUS CORAX stecken. Lediglich beim zweiten Stück „Kakwa Moma“ klingen die Berliner annähernd wie man sie kennt, mit derben Trommeln und Dudelsäcken.

Ansonsten greifen die Kolkraben zu von ihnen eher ungewohnten Instrumenten wie Trompete und Tuba und lassen dem Ganzen von Balkan-DJ Robert Soko noch einen gehörigen Schuß Clubsound verpassen. Das bereits Anfang August erschienene Debutalbum „Gassenhauer“ ist eine wilde Mischung, die sich beinahe aus allen Kulturen der Welt bedient. Da mischt sich Berliner Lokalkolorit mit südamerikanischen Einflüßen, Brachialpolka mit keltischem Dudelsack und das alles gepaart mit einer großen Portion Osteuropa. Man könnte es auch als eine mit Dudelsack angereicherte Kreuzung aus PETER FOX beziehungsweise SEEED, SHANTEL und ROTFRONT umschreiben, wobei sich ja aber alle genannten Künstler oder Bands schon bereits ihrerseits durch einen multikulturellen Stilmix auszeichnen.

Der Vergleich zu SEEED drängt sich nicht nur klanglich, wie etwa bei „Heimweh“, sehr stark auf, sondern auch durch das hohe Maß an Berliner Lokalpatriotismus. „Berlin, wann sehen wir uns wieder? Berlin, ne andre wolln wir nicht. Berlin, wir bring’n dir neue Lieder. Wir ham Heimweh nach Berlin“, heißt es etwa im eben genannten Song, aber damit nicht genug: Von der „Berliner Pflanze“ über die „Nacht in Berlin“ bis zu den Berliner „Miezen“, die Hauptstadt ist auf dem Album omnipräsent. Der sehr rauhe, ungeschliffene Multikulti-Mischmasch-Sound der Band trifft dabei dann aber auch die Atmosphäre und eher herbe Herzlichkeit der Stadt wie der sprichwörtliche Nagel auf den Kopf. „Berlin, die schönste bist Du nicht“ – aber so lieben wir Dich!

Doch auch Nicht-Spreetropolis-Bewohner werden an „Gassenhauer“ ihre Freude haben. Was nämlich die Stücke auf dem Album, und zwar allesamt, vor allem auszeichnet ist die hochgradige Tanzbarkeit. Ich bin überzeugt, dass die Scheibe in den Clubs für jede Menge vergossenen Schweiß sorgen wird, denn wem bei dieser Musik die Füße nicht zucken, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

Fazit: Ja wat’n ditte? Mensch Alta, die von CORVUS CORAX könn‘ ja sogar richtig Musike machen!

Anspieltipps: „Berliner Pflanze“, „Heimweh“, „Heidutzki Tanez“

Tracklist:

1.    Berliner Pflanze
2.    Kakwa Moma
3.    Nacht in Berlin
4.    Quiero Bailar fet. Pantéon Rococo
5.    Fatima
6.    Heimweh
7.    Heidutzki Tanez
8.    Miezen
9.    Champagner für alle
10.    Feuerwehrmarsch
11.    BerlinksiBeat (Sex Drugs Remix by Robert Soko)

[Berlin Beat Records / Edel]

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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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