Yukazu – C’est plus fort que toi (CD-Review)

Yukazu - c'est plus fort que toi

Es ist nicht immer alles so, wie es auf den ersten Blick scheint – diese alte Weisheit könnte man hier abwandeln zu „es ist nicht immer alles so, wie es beim ersten Ton klingt“. Allerdings trifft das auch nicht ganz zu, denn YUKAZU möchte man auch nach den zweiten und dritten Tönen des Albums „C’est plus fort que toi“ so gar nicht nach Deutschland verorten, sondern vielmehr nach Frankreich. Genauer gesagt nach Paris, in die Stadt der Liebe und des Savoir Vivre, dahin, wo bekanntlich sogar die Spatzen singen können.

Doch weit gefehlt! Tatsächlich kommt die Band aus Berlin und die deutsche Hauptstadt beweist damit wieder einmal eindrucksvoll, daß sie mehr zu bieten hat als schlechten Gangsterrap à la SIDO oder teutonischen Brachialrock à la RAMMSTEIN.

Den Kern von YUKAZU bilden das Songwriterduo Lenuschka Krüger (voc, git, acc) und Mike Hermann (git, voc), zusammen mit der Klarinettistin Franziska Orso (voc, cl, bcl), die manche vielleicht aus anderen Formationen wie SABANOVA oder den KLEZMEYERS kennen. Bereits auf der CD werden die drei durch den Akkordeonisten Alexej Kulikowski unterstützt, live ist die Band, verstärkt durch David Hagen am Bass und Fabio Duwentester am Schlagwerk, mittlerweile zum Sextett gewachsen. In dieser Besetzung konnte man die Truppe jüngst als Support der Pariser LES YEUX D’LA TÊTE im Berliner Lido erleben. War ich schon beim Konzert der Meinung, einer der besten Vorgruppen seit langem zu erleben, so steht auch die CD dem Auftritt in nichts nach. Chansonesque französische Texte treffen bei YUKAZU auf Klezmerelemente und eine gehörige Portion Balkan. Die Mischung, die die Band selbst als „Chanson-gypsy-pop“ bezeichnet, kommt mal treibend tanzbar („Le Rideau“, „Orphelin du temps“, „Souvenir“), mal sanft swingend („Gari“, „Rococo“, „Rêver absent“) und auch mal in zuckersüßer Balladenform („Tant fou“) daher, immer behaftet mit einer gewissen Grundmelancholie und doch dargeboten mit einer unwiderstehlichen Leichtigkeit. Musik wie ein warmer Sommerwind am Abend.

Aber bevor ich mich jetzt hier noch zu weiteren poetischen Anwandlungen versteige, werde ich – dem Leser zuliebe – das Ganze hier beenden. Da schenke mir lieber ein Glas Rotwein ein und genieße noch ein wenig diese wunderschöne Musik.

Tracklist:

1.Le Rideau
2.Gari
3.Orphelin du temps
4.Rococo
5.Douleur fantôme
6.Joli
7.Souvenir
8.Passe Partout
9.Pagaille
10.Rêver absent
11.Tant fou

(Kitchen Records)

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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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