PEKKO KÄPPI & K:H:H:L – Sanguis Meus, Mama! (CD-Review)

PEKKO KÄPPI + KHHL - Sanguis meus Mama - COVEREine archaische Leier aus Finnland und amerikanischer Südstaaten-Blues haben so gar nichts miteinander zu tun, möchte man meinen. Nun, wer solches meint, denkt a) nicht schubladenfrei und hat b) mit Sicherheit noch nie PEKKO KÄPPI gelauscht.

Eigentlich mutet besagte Mischung inzwischen ja auch gar nicht mehr ganz so seltsam an. Dass sich nordische Klänge und Blues tatsächlich sehr gut vertragen, hat beispielsweise Bluesgitarren-Gott JOE BONAMASSA mit seinem Acoustic-Projekt schon vor einigen Jahren hinlänglich bewiesen. Mats Westers Nyckelharpa hatte sich dort ja beinahe wie selbstverständlich ins Gesamtbild eingefügt. Die Musik von PEKKO KÄPPI ist da schon etwas eigenwilliger… und wilder.

Er spielt die Jouhikko, eine alte Leier aus der Region Karelien, die traditionell mit dem Bogen gestrichen wird. Dabei weiß der Mann recht genau, was er da tut, schließlich hat er das Instrument im Rahmen eines langjährigen Musikethnologie-Studiums erlernt und erforscht. Doch PEKKO KÄPPI hat auch den Blues im Blut, spätestens seit er als Schüler bei einem Austauschprogramm einige Zeit in den USA verbracht und die dortige Musikwelt kennengelernt hatte. In seinem Schaffen ergibt das eine schräge, aber auch irgendwie unwiderstehliche Mischung. Auch und vor allem, weil Käppi zwar aus Traditionen schöpft, dabei aber keineswegs puristisch unterwegs ist. In seinem Klangkosmos ist auch ein Moog-Synthesizer nicht fehl am Platz und die Jouhikko wird durch allerlei Effekte gejagt und ist dadurch gar nicht immer als solche erkennbar.

Unterstützt wird der Wandler zwischen den Welten von Nuuti Vaapaavuori am Bass und Tommi Laine an der Cigarbox-Gitarre. Zusammen nennen sich die beiden K:H:H:L, was ausgeschrieben und übersetzt wohl soviel heißt wie „Die Knochen des toten verrückten Pferdes“. Der Name spricht ein bisschen Bände, ebenso wie das schräge Video zum Auftaktsong „Mun vereni“. Die spinnen, die Finnen… Die in besagtem Video verwendete Nadel-„Puppe“ passt übrigens hervorragend zu den Voodoo-Vibes des Songs. Überhaupt sind die Texte, bei denen sich der Künstler thematisch teilweise aus der heidnischen finnischen Vergangenheit bedient, allesamt eher düster, selbst wenn der ein oder andere Song durchaus mal fröhlicher klingen mag. Von vergrabenen Schädeln, Leichenstaub und Priestern mit Maschinengewehren ist da die Rede, oder von Flüchen und Verwünschungen – womit wir dann irgendwie wieder beim Voodoo wären.

Zu Text und Musik kommt die charakteristische Stimme des selbsternannten Jouhikko-Schamanen, die am Anfang von „Mun vereni“ übrigens fast ein klein wenig an MANU CHAO erinnert. Zusammen ergibt das eine synergetische Mischung aus bluesig-groovigen, manchmal aber auch sanfteren, eher rockballadesken Stücken, die trotz der eingesetzten Effekte immer einen sehr erdigen Charakter bewahren.

Fazit: Klingt jetzt alles irgendwie schräg? Ist es auch. Aber eben auch verdammt gut. Eigentlich stammt das Album ja schon aus dem Jahr 2015, auf Nordic Notes erscheint es nun aber erstmals auch in Deutschland. Die finnische Presse war der Meinung: „Hot Stuff“… und da wollen wir den Kollegen aus dem Norden keinesfalls widersprechen. Unbedingt Reinhören!

 

Tracklist:

1. Mun vereni
2. Piika Kaarin
3. Ruumiin tomua
4. Rakastatko minua?
5. Kuka pelkää petoa?
6. M:O:K
7. Jussi-setä
8. Kokkovirsi
9. Laihan koiran haukku ei kuulu taivaaseen
10. Veri verestä

 

Pekko Käppi & K:H:H:L
Sanguis Meus, Mama!
Nordic Notes
VÖ: 24.03.2017

 



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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