Line Bøgh – (19.05.2017) – Berlin, Nussbreite

Line Bøgh 1Sanften Indie-Pop aus Dänemark konnte man vor ein paar Wochen in Berlin erleben. Die von der Halbinsel Jütland stammende und in Kopenhagen lebende Songwriterin Line Bøgh bewies mit ihrem Auftritt, dass musikalisch weniger manchmal mehr ist. Leider traf das „weniger“ auch auf die Menge des Publikums zu.

Lediglich neun (!) Zuschauer hatten sich zu Beginn des Konzerts in der „Nussbreite“ im Berliner Stadtteil Wedding eingefunden. Zugegeben, die Bar ist wirklich winzig, aber ein paar mehr Leute hätten dann doch reingepasst. Nun gut, während der Show tröpfelten dann noch ein paar vereinzelte Gestalten ein, so dass man am Ende ganze 17 Anwesende zählen konnte. Schade, das hätte definitiv mehr verdient gehabt.

Line Bøgh 2Die Laune ließ sich Line dadurch jedenfalls nicht vermiesen und das Konzert wurde trotzdem schön. Durch die geringe Größe, das gemütliche Sofa-Ambiente und die wenigen Gäste entstand zeitweise eine Art magische Wohnzimmeratmosphäre. Leider wurde diese immer wieder durch erst später kommende Personen gestört. Vielleicht sollten die Bar-Betreiber mal darüber nachdenken, ob die Bühne direkt in der Ecke neben der Tür eine wirklich gute Idee ist. Aber ich will auch nicht zu viel meckern, der Abend hatte definitiv seine schönen Momente.

Das lag zum Großteil am sympathischen Charme der Sängerin, einer kleinen, blonden Elfengestalt, der fortwährend der sprichwörtliche Schalk aus den Augen blitzte. Begleitet wurde sie von ihrer Schwester Johanne (Ukulele, Drumpad, Keyboard) und deren Partner Rasmus (Gitarre). Neben Liedern von ihrem Debütalbum „Something Else And Something Else And Something Else Again “ gab es auch einige Stücke ihres neuen Albums zu hören, das im Herbst erscheinen soll. In den meist leisen und introvertierten Songs verarbeitet Line oft sehr persönliche Dinge, wie die Scheidung ihrer Eltern („Follow My Lead“) oder die Einsamkeit nach dem Ende einer Beziehung („The Sun Hangs On A String“). Aber auch die Schönheit von Kondensstreifen (unter Aluhutträgern als Chemtrails bekannt) am Himmel („Frozen Smoke“) oder Gedanken über das Leben in hohen GebLine Bøgh 3äuden („The Asphalt Glitters“) finden Eingang in ihre Texte. So ernst oder gar düster die Themen der Songs teils auch sind, in Depressionen versinken ist Lines Ding nicht. Neben melancholischer Poesie schwingt bei ihren Betrachtungen auch immer eine leichte Prise feinen Humors mit. Ein Paradebeispiel dafür war auch die Zugabe an diesem Abend, „Give Sophie A Shot“, in der sie über Dating-Apps wie Tinder und Co reflektierte

Auch wenn es wie gesagt wenige waren, diejenigen die den Weg in die Nussbreite gefunden hatten, sparten am Ende nicht mit Applaus, und so zeigte sich die Künstlerin im Gespräch nach dem Konzert dann auch einigermaßen zufrieden. „Ich bin ja nicht zum ersten Mal hier“, lachte sie. „Berlin ist es immer eine Wundertüte. Mal hat man volles Haus, mal kommt keiner. Und dabei ist es völlig egal wo oder an welchem Wochentag man spielt. Ich komme trotzdem immer wieder gerne her, weil ich die Stadt so spannend finde.“ Man darf also durchaus mit einer baldige Rückkehr rechnen. Dann hoffentlich mit mehr Publikum…

 



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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