KATA – „Tívils døtur“ (CD-Review)

KATA – Tívils døtur - CoverWas hat nordischer Frauengesang von den Faröer Inseln mit Bulgarien zu tun? Gar nichts, möchte man zunächst meinen. KATA belehren uns eines Besseren. Das Damen-Quintett schafft es auf seinem Debutalbum „Tívils døtur“ die Musiktraditionen beider Länder zu verbinden.

Die „Le Mystère Des Voix Bulgares“ – Reihe des Schweizer Musikethnologen in Zusammenarbeit mit dem Frauenchor des bulgarischen Staatsfernsehens machte den polyphonen weiblichen Gesang aus dem Südosten Europas weltbekannt. Auch bei den Färinger Sängerinnen Guðrið Hansdóttir, Unn Paturson, Eyð Berghamar Jacobsen, Greta Bech und Arnfríð Lützen sorgte diese ganz besondere Musik für Bewunderung. Da die – ebenfalls vornehmlich von Frauen gepflegte – Musik- und Liedtradition ihrer Heimatinsel dem archaisch-magischen Charakter der bulgarischen Klangwelten eigentlich in nichts nachsteht, lag der Gedanke nahe, das Eine mit dem Anderen zu verbinden.

Das, was bei dem Experiment heraus gekommen ist, beweist, dass die Idee nicht halb so verrückt ist, wie sie im ersten Moment anmutet, sondern das Ganze im Gegenteil höchst ansprechend klingt. Das mag auch und vor allem daran liegen, dass KATA zwar an der ein oder anderen Stelle über den vokalen Tellerrand hinausblicken, im großen und Ganzen aber der heimischen Klangwelt und -tradition treu bleiben. Denn auch wenn die Verbindung der fünf starken Stimmen durchaus Parallelen zu den Bulgarinnen aufweist, klingt es dann im Ganzen doch durch und durch nordisch.

Stark“ ist für die Sangeskünste der Damen übrigens fast noch (stark) untertrieben. Die Fünf variieren zwischen ätherisch-elfengleich und unheimlich kraftvoll und schaffen es, sowohl ihre Stimmen zu einem harmonischen und dabei wunderbar präzisen Miteinander verschmelzen zu lassen, als auch durch die Bank bei den dezent in die Arrangements eingestreuten Soloparts zu brillieren.

Die Lieder erzählen von mythischen Helden („Grímur á Miðalnesi“), verliebten Trollen („Risin og moyggin“), über die Jagd („Inni liggur tú líri“) bis hin zu blutigen Familiendramen („Faðir og dóttir“).

Natürlich ist der Gesang bei KATA das Maßgebliche und er könnte auch gut und gerne völlig für sich allein stehen. Man sollte jedoch trotzdem nicht vergessen, die beiden beinahe „unsicht-“oder vielmehr „unhörbaren“ Begleitmusiker zu erwähnen. Was Rógvi á Rógvu (Percussion) und Lasse Thorning Jæger (Electronic Sound Design) da an sparsam eingestreuter Stelle abliefern beziehungsweise einfließen lassen, ist ganz großes Kino. Minimalistisch, auf den Punkt und völlig unaufdringlich unterstützen die beiden das Stimmensemble und bereichern das komplexe Klangbild damit um eine weitere Ebene, die sich beinahe unmerklich einfügt, dem Ganzen aber ein weiteres Sahnehäubchen aufsetzt.

Die aufwändige Gestaltung des Albums als Digipack mit ansprechendem Artwork und gleich zwei Booklets rundet das Ganze wunderbar ab. Während man im einen Heftchen die Originaltexte findet, gibt das zweite Zusatzinfos zu den einzelnen Songs.

Fazit: Faröer Inseln meets Bulgarien, mit fünf traumhaften Frauenstimmen. Für Nordic-Fans ein absolutes Muss, aber auch für Anhänger südosteuropäischer Klänge interessant. Je öfter man es hört, desto mehr verliebt man sich in das Album.

 

KATA
Tívils døtur
(CD)
Nordic Notes
2017

 

Tracklist:

1. Tivils døtur
2. Silvurlín
3. Inni liggur tú líri
4. Faðir og dóttir
5. Eg átti mær eina húgvu (Húgvutáttur)
6. Risin og moyggin
7. Rura, rura barnið
8. Grímur á Miðalnesi
9. Vevpíkan
10. Torkils døtur
11. Tað var 99 og tað var 98
12. Rura, rura barnið (Outro)



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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