Cesair – Dies, Nox et Omnia – Sine Fine (CD-Review)

Cesair - Dies, Nox et Omnia - Sine Fine

Eine Reise vom alten Babylon über das antike Griechenland ins keltische Irland? Kein Problem mit der holländischen Gruppe CESAIR. Unterwegs werden gleich noch ein paar alte Texte aus Spanien, dem okzitanischen Frankreich oder Wales mit aufgesammelt.

In ihrem Heimatland, z.B. beim renommierten Castlefest, besetzt das Sextett bereits Headliner-Positionen, in Deutschland ist die Band noch ein Geheimtipp. Das soll sich aber ab diesem Jahr ändern. Pünktlich zum ersten Deutschlandauftritt im Mai mischten die Niederländer ihr 2013er Debut „Dies, Nox et Omnia“ noch einmal frisch ab und legten es mit dem Zusatz „Sine Fine“ (lat. „ohne Ende“) neu auf. Vom ersten Track an versprühen CESAIR auf CD beinahe genausoviel Energie wie auf der Bühne. Wer die Band beim diesjährigen WGT im heidnischen Dorf live erleben konnte weiß, dass dies bereits ein großes Kompliment bedeutet.

Der Opener „Enuma Elish“ basiert auf einem babylonischen Schöpfungsmythos, der die Geburt der Götter beschreibt. Gottheiten begegnet man in der Folge immer wieder, so etwa der akkadischen Muttergöttin Ishtar im gleichnamigen Song oder der irisch-keltischen Namensgeberin der Band im Titeltrack „Dies, Nox et Omnia“. Aus letzterem Kulturkreis stammt auch der mythische Held Oisín, dessen Geschichte ebenfalls Pate für ein Stück auf der CD stand.

Ein weiterer Text, der auf dem Album verarbeitet wurde, stammt aus der Feder des im heutigen Libanon geborenen Malers und Dichters Khalil Gibran. In ihm beschreibt der Poet den Wert der Musik als eine Kraft, die sich über die alltäglichen Belange der Menschen erhebt. Wer CESAIR lauscht, merkt schnell, dass die Band es versteht, diese Kraft zu entfesseln. Mit Violine, Drehleier, Akkordeon, Hackbrett, Gitarre, Irish Bouzouki, Schlagzeug und diversen Percussioninstrumenten entfachen die Holländer ein mystisches Musikfeuerwerk, das sich, passend zur Vielfalt der Texte, aus verschiedenen Kulturen bedient, aber dennoch immer wie aus einem Guss wirkt.

Zusätzlich zu den „normal“ remasterten Tracks wurden vier Stücke des ursprünglichen Debutalbums einem wirklichen Remix unterzogen. Während Bandmitglied Fieke van den Hurk sich noch einmal „Bergatrollets Friari“ annahm, wurden die Aufgabe für die drei verbleibenden Songs an befreundete Musiker vergeben. So zeichnet die Gruppe SCHWARZBLUT verantwortlich für den Remix von „Graeica“, Niel Mitra von FAUN widmete sich „Canso“ und die „Könige der Spielleute“ CORVUS CORAX drückten „Mal Casada“ ihren Stempel auf. Nicht, dass CESAIR diese Hilfe nötig gehabt hätten – das Ganze ist von Seiten der Band eher als ein kleines Bonus-Geschenk für die Fans gedacht.

Fazit: Ein wunderschönes Album, an dem Mittelalter- und Pagan-Fans ebenso Spaß haben sollten wie Folk- und Weltmusikfreunde. Obwohl es sich „nur“ um eine Neuauflage handelt, ist „Dies, Nox et Omnia – Sine Fine“ schon jetzt eine meiner Lieblingsscheiben des Jahres.

⇒ Tipp: Beim Festival Mediaval und bei ausgewählten MPS-Veranstaltungen kann man die Band in diesem Jahr noch ein paar mal live in Deutschland erleben. Es lohnt sich!

Tracklist:
1. Prologue
2. Enuma Elish
3. Minnic Soe Stervic
4. Ishtar (ft. Sonja Drakulich)
5. Dies, Nox et Omnia
6. Du Som Har
7. The Wanderings of Oisin
8. Atiny Naya
9. Y Gododdin
10. Canso (Niel Mitra remix)
11. Mal Casada (Corvus Corax remix)
12. Graeica (Schwarzblut Remix)
13. Bergatrollets Friari (Orchus remix)

[Screaming Banshee / Alive]



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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