Guðrið Hansdóttir – Tafelhalle, Nürnberg (Konzertbericht)

GudridHansdottir

Die Nürnberger Tafelhalle bietet nicht nur etablierten Künstlern ein Forum, sondern ebenso hoffnungsvollen Newcomern und Bands, die in der Region noch nicht oder nicht mehr allzu bekannt sind. Als sechstes und letztes Konzerte der Serie in dieser Saison war GUĐRIĐ HANSDÓTTIR im MusiCafé zu Gast und schickte sich an, das Nürnberger Publikum mit ihrer charmanten Art, der wundervollen Stimme und ihrem kurzweiligen Folkpop zu bezaubern.

Die Liebe zur Musik wurde der in ihrer Heimat bereits außerordentlich populären Färöer Künstlerin sozusagen in die Wiege gelegt: Ihr Vater ist professioneller Gitarrist. Sie selbst begann mit zarten 14 Jahren damit, Lieder zu schreiben und kombiniert Pop mit stimmigem Singer-Songwritertum. Dabei inspirieren sie tiefe Gefühle und die Natur ebenso, wie das Wetter ihrer Heimat: „Wir haben dort viel Nebel, besonders im Sommer, wenn es eigentlich sonnig sein sollte“. Was bietet sich da mehr an, als es sich zuhause gemütlich zu machen und Lieder zu komponieren?

Gemeinsam mit dem Schwabacher Gitarristen Frieder Graf und ihrem alten Schulfreund Runi W. Hojgaard am Schlagzeug spielte sich die Musikerin in der gemütlichen Café-Atmosphäre durch zwei Sets mit je acht Stücken. Mal auf Färöisch und mal auf Englisch gesungen bestachen die Lieder teils mit ihrem Minimalismus, während sie an anderer Stelle überraschend druckvoll waren. Sie blieben stets angenehm unaufdringlich und loteten die unterschiedlichsten Stimmungen von locker-beschwingt über träumerisch und behaglich-träge bis zu melancholisch und nachdenklich („Morgun i Mars“) aus. Eines der düsteren Highlights war eindeutig „A Faroese Fisherman speaks of Drowning“ vom 2012 erschienenen Album „Beyond the Grey“. Zwar stammten die meisten Songs aus eigener Feder, doch gab es einige Ausnahmen. Mit „Deine schönen Augen“ und einem Lied über das Verlassen des Heimatlandes stammten zwei der ins Englisch übersetzten Texte ursprünglich vom deutschen Spätromantiker Heinrich Heine. Außerdem coverte GUĐRIĐ HANSDÓTTIR den „Lovesong“ von THE CURE und LANA DEL REYs „Videogames“. Beide präsentierte sie allein und durchaus ansprechend auf der Bühne, doch waren ihre eigenen Stücke stärker als diese Neuinterpretationen.

Seit der letzten Veröffentlichung war GUĐRIĐ HANSDÓTTIR nicht untätig. Neben Songs vom aktuellen und den beiden vorigen Alben fand sich bereits brandneues Material in der Setlist, darunter ihr erste Countrylied „Nothing about you“. „Stimmt es, dass die Deutschen Country lieben?“, erkundigte sich die Sängerin, die barfuß auf der Bühne stand. Die Reaktionen fielen eher gemischt aus und während sie selbst noch ihre Gitarre stimmte spielten ihre Begleiter testweise Countrysongs an. Beziehungsweise sie versuchten es: War der Sound den restlichen Abend auch glasklar, so brachte ein durchdringender Störton hier tatsächlich ein Glas im Publikumsraum zum zerspringen. „Das habe ich noch nie erlebt!“, kommentierte die überraschte Frontfrau zum amüsierten Publikum gewandt, das die Szene mit einem Spontanapplaus würdigte.

Ganz so bierernst nahm sich die Band ohnehin nicht. So scherzten sie bei „Sleeping with Ghosts“ selbst über die klangliche Ähnlichkeit von „Ghosts“ und „Goats“, hatten Spaß am Vorführen ihrer elektronischen Harfe („Das coolste ist, dass sie auch Drums hat!“), tauschten beim Schlagzeugsolo munter die Plätze und trommelten auch auf einer am Boden liegenden Gitarre und gaben zwischen den Songs allerlei mal wahre und mal erfundene Anekdoten zum Besten. So wollte der Schlagzeuger GUĐRIĐ HANSDÓTTIR in der zweiter Klasse heiraten, doch sie „war einfach noch nicht reif für eine ernsthafte Beziehung“ – Heute machen die beiden zusammen Musik und reisen gemeinsam. „That makes it sound romantic“, meinte die Sängerin augenzwinkernd, erntete aber sofortigen Widerspruch: „It isn’t!“. Insgesamt überzeugte GUĐRIĐ HANSDÓTTIR mit einem warmherzigen und sympathischen Auftritt. Dem Charme der Färöer kann man sich nur schwer entziehen – doch spätestens nach den ersten zwei Liedern möchte man das auch gar nicht mehr.



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Janina Stein

Über Janina Stein

Kulturgeographin, Fotografin und freie Journalistin, zuletzt 1 ½ Jahre unterwegs in Neuseeland, Australien und Asien. janina.stein (at) schubladenfrei.de
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