Joe Bonamassa – An acoustic evening at the Vienna Opera House (CD-Review)

Joe Bonamassa - an acoustic evening at the vienna opera house

JOE BONAMASSA gilt momentan weltweit als erste Adresse in Sachen Bluesrock und wird von vielen mir bekannten Gitarristen mindestens als Halbgott verehrt. Selbst wenn man bislang noch keine seiner zahlreichen Veröffentlichungen kannte, spätestens nachdem man das hier verewigte Akustik-Konzert gehört beziehungsweise im Fall der DVD gesehen hat, versteht man diesen Status. Dabei präsentiert sich der Meister hier im ersten Moment eigentlich eher ungewohnt.

„Die meisten verbinden mich ja mit diesen langgedehnten Noten auf der Gibson Les Paul. Mit hölzernen Gitarren, die riesige Löcher haben, geht das natürlich nicht“, scherzt der 35-jährige US-Amerikaner im ausführlichen „Making of“ zum Konzert. „Hier baut das ganze viel mehr auf meinem Gesang auf, und auf den Songs selbst. Das haben wir so noch nicht gemacht, und am Anfang war ich deshalb ein wenig besorgt. Es waren dann auch ein paar Tage harte Arbeit, aber auch eine Menge Spaß“, erzählt er. Die Ängste waren unbegründet, denn auch als Sänger muss sich Bonamassa auf keinen Fall verstecken.

Obwohl das Ganze eindeutig auf ihn ausgerichtet ist – der Meister thront in der Mitte, umringt von zehn Akustikklampfen – ist es auch die Qualität seiner speziell für dieses Projekt ausgesuchten Mitmusiker, die das Konzert zu etwas wirklich besonderem macht: Da wäre zum einen Arlan Schierbaum (Baby Piano, Akkorden, Harmonium, Glockenspiel), der unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit JOHN HIATT oder BETH HART bekannt ist, der irische Fiddler und Banjospieler Gerry O’Connor, Gründungsmitglied von SKYLARK und LÁ LUGH, der schwedische Nyckelharpaspieler Mats Wester (NORDMAN), dessen Stücke schon von so unterschiedlichen Gruppen wie GARMARNA, ENSIFERUM oder BLACKMORE’S NIGHT gecovert wurden, und last but not least Leny Castro. Die Liste der Künstler, mit denen der aus Puerto-Rico stammende Percussion-Virtuose live oder im Studio gearbeitet hat, ist schier endlos, darunter solche Größen wie die ROLLING STONES, TOM PETTY, FLEETWOOD MAC, TOTO, STEVIE WONDER, BARBARA STREISAND, RED HOT CHILI PEPPERS, SIR ELTON JOHN, ALIEN ANT FARM und viele mehr.

Abgesehen von Schierbaum, der bereits zuvor mit Bonamassa gearbeitet hatte, kannten sich die Beteiligten tatsächlich nicht, als sie einige Tage vor dem Konzert zum ersten Mal zusammentrafen. Das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Kulturen und Instrumente war für die Musiker nach eigener Aussage aber Herausforderung und Ansporn zugleich. Durch ihr individuelles Können schafften es die Fünf innerhalb von drei Tagen gemeinsamen Probens ein Konzert aus dem Boden zu stampfen, das nicht nur jedem Blues-Freund, sondern jedem Liebhaber guter Musik die Freudentränen in die Augen schießen läßt. Wer hätte gedacht, daß die skandinavische Nyckelharpa ein hervorragendes Bluesinstrument ist? Oder wie scheinbar mühelos man innerhalb eines Stücks von Blues und Bluegrass hin zu Irish Folk und zu skandinavischen Klängen wechseln kann und wieder zurück? Die Standing Ovations des Wiener Publikums am Ende kann man mehr als gut nachvollziehen, da wäre man selbst einfach gern dabei gewesen.

Das Ganze braucht auch keine große Show, egal ob Performance oder Beleuchtung, das ist einfach allein durch die Kraft der Musik ganz, ganz großes Kino! Neben dem puristischen Setting tragen natürlich auch die Atmosphäre des altehrwürdigen Wiener Opernhauses, und die hervorragende Produktion, vor allem der glasklare Sound, ihren Teil dazu bei, daß das für mich schon jetzt DIE Live-Veröffentlichung des Jahres ist. Die Doppel-DVD bietet zusätzlich zur Show noch zwei ausführliche Dokumentationen zur Idee und Realisierung dieses ungewöhnlichen Konzerts, bei der alle beteiligten Protagonisten ausführlich zu Wort kommen. Außerdem gibts das Ganze auch noch als Vinyl-Doppel-LP und als BlueRay.

Fazit: Da bleibt eigentlich nur noch auf die Knie zu fallen und in guter alter Wayne’s World – Tradition auszurufen: „Wir sind unwürdig!“. Gehet hin und kauft das Ding! Besser kann Musik kaum sein.

Anspieltipps: „Dust Bowl“, „Athens to Athens“, „Slow Train“

Tracklist (CD):

Disc 1:
1. Arrival
2. Palm Trees, Helicopters And Guns
3. Jelly Roll
4. Dust Bowl
5. Around The Bend
6. Slow Train
7. Athens To Athens
8. From The Valley
9. The Ballad Of John Henry
10. Dislocated Boy
11. Driving Towards The Daylight

Disc 2:
1. High Water Everywhere
2. Jockey Full Of Bourbon
3. Richmond
4. Stones In My Passway
5. Ball Peen Hammer
6. Black Lung Heartache
7. Mountain Time
8. Woke Up Dreaming
9. Sloe Gin
10. Seagull

Tracklist (DVD):

Disc 1:
1. Arrival
2. Palm Trees, Helicopters And Guns
3. Jelly Roll
4. Dust Bowl
5. Around The Bend
6. Slow Train
7. Athens To Athens
8. From The Valley
9. The Ballad Of John Henry
10. Dislocated Boy
11. Driving Towards The Daylight
12. High Water Everywhere
13. Jockey Full Of Bourbon
14. Richmond
15. Stones In My Passway
16. Ball Peen Hammer
17. Black Lung Heartache
18. Mountain Time
19. Woke Up Dreaming
20. Sloe Gin
21. Seagull
22. Goodnight Vienna (Credits)

Disc 2 (Bonus Disc):
1. On The Road to Vienna – The Making Of
2. An Acoustic Evening – Voices

[Mascot (Rough Trade)]



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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