Nick & June – Flavour & Sin (CD-Review)

NickandJune__flavourandSin

Es gibt nur wenige Alben, denen die schlichte Beschreibung „schön“ so gerecht wird, wie „Flavor & Sin“, dem feinfühligen Debütalbum von June Kalass und Nick Wolf. 2011 gegründet wurde das Duo inzwischen von Udo Rinklin, dem Produzenten von u.a. PHILIPP POISEL und DIE HAPPY unter die Fittiche genommen. NICK & JUNE spielen unaufgeregten Indie-Folk-Pop, der zwischendurch mit Liedern wie „Little Things“ ganz vorsichtig zu rocken beginnt. Die instrumentale Vielfalt mit Gitarre, Ukulele, Banjo, Glockenspiel, Harmonica und Mellotron wird nur sehr dezent eingesetzt. Hier gibt es keine treibenden Rhythmen, sondern ein sensibles Gerüst aus Schlagzeug bzw. Percussion und Bass, auf dessen Basis sich die zarten Melodien und Gesangstimmen entfalten können. Ihr spezieller Klang dominiert die Musik der Nürnberger, die sich selbst einfach genug zu sein scheint. Den Löwenanteil des Gesangs übernimmt dabei Nick, der den Text teils mehr haucht, als dass er ihn wirklich singt, während June ihn mit ihrer glockenhellen Stimme ergänzt. Die elf Songs verfügen über einen recht ähnlichen Aufbau und sind relativ schlicht gehalten. Hier erwarten die Hörer keine großartigen Überraschungen, sondern kleine wirkungsvolle Effekte.

Von Sünde ist in der Musik wenig zu spüren. Sie verleitet dazu, sich auf den warmen Klängen in eine Welt davontragen zu lassen, in der so ziemlich immer Sonnenschein herrscht – Aber nicht grell und strahlend wie zur Mittagszeit im Hochsommer, sondern sanft und golden durchs herbstliche Blätterdach. Und wenn es doch einmal regnet, ist es ein erlösender Sommerregen. Die Texte sind, entgegen dem aktuellen Trend, in Englisch gehalten und keineswegs aufrüttelnd oder politisch. Statt dessen erklingen angenehm unkitschige Romantik und die Art sanfter Melancholie, der man sich freiwillig hin und wieder hingibt. Entspannt, fluffig und weich hüllt das Album in argloses Nichtstun ein, das man genießt, ehe es zur Langeweile werden würde. Doch dazu kommt es in den 40 Minuten gar nicht erst. „Flavor & Sin“ ist nicht Welt-bewegend, sondern es lässt sie einen kurzen Moment stillstehen. Der perfekte Ort, um sich zum Krafttanken zurückzuziehen und vom Alltag zu erholen.

Tracklist:
01. Hold On
02. Annie Hall
03. Rain In June
04. Coming Home
05. Little Things
06. Fall For Me
07. Caroline
08. Solve My Mystery
09. Homesick Blues
10. Here I Am
11. The Dancer

[Bullet Records]



Teilen auf:
Janina Stein

Über Janina Stein

Kulturgeographin, Fotografin und freie Journalistin, zuletzt 1 ½ Jahre unterwegs in Neuseeland, Australien und Asien. janina.stein (at) schubladenfrei.de
Dieser Beitrag wurde unter Gehört, Musik abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *