H.G. Wells – „Krieg der Welten“ – Teil 1 von 3 (Hörspiel-Review)

krieg-der-welten-teil-1-hoerspiel-nach-h-g-wellsDer bahnbrechende sowie zeitlose Klassiker „Krieg der Welten“ von H.G. WELLS begeistert seit über 100 Jahren nicht nur die Fans der Science Fiction. In diesem Hörspiel wird das Spektakel um einen Angriff auf die Menschheit aus dem All zum Kopfkino der Superlative und stellt die Frage: Wie verhält sich der Mensch, wenn die Ordnung zusammenbricht? Im Krieg und in der Hoffnungslosigkeit — angesichts einer außerirdischen Übermacht, die nur ein Ziel zu kennen scheint: Die Bewohner der Erde zu vernichten.

Regisseur Oliver Döring versammelt ein Sprecherensemble der Superlative, das ganz klar von einem angeführt wird, ja man könnte es sogar fast schon als One-Man-Show bezeichnen. Fast. Denn natürlich gehören zu einem Hör-Spiel im Gegensatz zum Hör-Buch immer mehrere Stimmen und die sind hier bei weitem nicht schlecht. Dennoch steht Dietmar Wunder als Hauptperson und Erzähler natürlich die größte Anerkennung zu. Als Hauptfigur und Erzähler Simon Shuster (der in Wells‘ Originalroman übrigens namenlos bleibt) trägt er das Ganze wirklich mit Bravour. Diese stimmliche Präsenz gepaart mit der entsprechend nuancierten schauspielerisch-sprecherischen Leistung zu hören macht einfach Spaß.

Ebenfalls großartig ist leider zum letzten Mal der im Januar 2018 verstorbene Peter Groeger als Ogilvy. Für Trekkies wird seine Stimme wohl für immer mit  Armin „Quark“ Shimerman verbunden beiben.

Auch andere prägnante Stimmen sind Teil der Besetzung: Oliver Stritzel (Gregg) kennt man als deutschen Standardsprecher von unter anderen Philip Seymour Hoffman und Bruce Greenwood. Nico Sablik synchronisiert unter anderem Daniel „Harry Potter“ Radcliffe oder Chris Pine und Marieke Oeffinger wiederum leiht ihre Stimme regelmäßig den Schauspielerinnen Natalie Dormer, Vanessa Hudgens oder Emily Osment.

Im erweiterten Cast verstecken sich noch viele weitere Hochkaräter der Sprecherzunft wie Joachim Kerzel (Harvey Keitel / Dennis Hopper / Jean Reno), Susanna Bonaséwicz (Isabelle Huppert / Daryl Hannah / Carrie „ Leia“ Fisher / Bibi Blocksberg), Detlef Bierstedt (George Clooney / Stellan Skarsgård) oder Udo Schenk (Gary Oldman / Ralph Fiennes / Ray Liotta).

Das Script stammt, im Gegensatz zu seinen ersten beiden Wells-Adaptionen, diesmal nicht von Döring selbst sondern von Christian Gailus. Dessen Entscheidung, die Geschichte in ihrem originären Zeitrahmen zu belassen, anstatt sie wie Döring bei den beiden Vorgängern in die Gegenwart zu versetzen, tut dem Ganzen so gut wie sie wahrscheinlich auch unvermeidlich war. Hätte man versucht, die Alien-Invasions-Story in einen moderneren Rahmen zu verpflanzen wäre man in den Köpfen der Hörer wohl kaum gegen die Hollywood-Bilder der 2005er Spielberg-Verfilmung mit Tom Cruise  oder gar der schwäbisch-gigantomanischen Inzenierung à la „Independence Day“ durchgedrungen.

Dennoch trickst auch Gailus ein ganz klein wenig mit der Zeit: Er versetzt den Beginn der Geschichte von den 1890ern auf den Neujahrstag 1900. Der kleine Kunstgriff dient aber lediglich dazu, im Rahmen eines Exposes zwei der Hauptfiguren vorzustellen, und belässt das große Ganze in der ursprünglichen Zeit der Handlung. Auch sonst fallen die durchaus zahlreichen Änderungen zum Wells’schen Originaltext nicht groß ins Gewicht, so dass man zwar nicht von einer im hundertprozentigen Sinne werkgetreuen Umsetzung sprechen kann, aber ihr zumindest bescheinigen kann, dass sie die Nähe zum Original sucht. Das wird nicht zuletzt durch die zum Teil wörtlich übernommenen Passagen immer wieder deutlich.

Fazit: Ein gelungener Auftakt der Döringschen Umsetzung des SciFi-Spektakels, die sich von anderen Hörspielbearbeitungen des durch die freigewordenen Lizenzen in letzter Zeit recht beliebten Stoffs ausreichend unterscheidet und mit einer stimmigen Dramaturgie, überzeugendem Sounddesign,  einem atmosphärischen Soundtrack und vor allem starken Sprecherleistungen punktet.

Besetzung:

Simon                 Dietmar Wunder

Ogilvy                 Peter Groeger

Soldat                 Reinhard Kuhnert

Gregg                  Oliver Stritzel

Gryson                Hans Bayer

Stuart                  Nico Sablik

Cathy                   Marieke Oeffinger

sowie Jaron Löwenberg, Philipp Schepmann, Detlef Bierstedt, Asad Schwarz, Daniel Montoya, Frank Röth, Marcus Staiger, Roman Shamov, Martin Baden, Susanna Bonaséwicz, Juliane Ahlemeier, Simon Döring, Alexander Weise, Udo Schenk, Luisa Wietzorek, Berenice Weichert, Carlos Lobo, Roland Wolf, Matthis Schmidt-Foß, Christoph Walter und Joachim Kerzel

Ein Hörspiel von Christian Gailus und Oliver Döring nach dem Roman von H.G. Wells

Produktion: IMAGA — Alex Stelkens & Oliver Döring

Produktionsleitung und Regieassistenz: Ila Panke

Tontechnik: Thomas Nokielski

Schnittassistenz: Anton Moritz Meid

Buch: Christian Gailus

Schnitt und Regie: Oliver Döring

Label: Folgenreich

Spieldauer: ca. 58 Minuten

Empfohlen ab 12 Jahren



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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