I’M WITH HER – Berlin, Silent Green

IM WITH HER 1„Drei Mädels mit Akustikklampfen stehen um ein Mikrophon.“ – Auch, wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so klingt: das ist spektakulär! Das US-Trio I’M WITH HER bewies im Berliner Silent Green, dass großartige Musik nicht viel Technik und Schnickschnack erfordert, sondern einfach nur Können.

Das Konzert im ehemaligen Weddinger Krematorium und jetzigem Kulturquartier war bereits Wochen vor dem Termin ausverkauft. Kein Wunder, denn Sara Watkins, Sarah Jarosz and Aoife O’Donovan haben in den USA alle bereits eigene erfolgreiche Band- und/oder Solokarrieren hinter sich und dem Trio wird deshalb oft das Label „Supergroup“ aufgeklebt.

IM WITH HER 2Eine Schublade, zu der das einfache Bühnensettings und das unglaublich sympathische und bescheidene Auftreten der drei Protagonistinnen kaum zu passen schienen. Doch weit gefehlt: So einfach der Auftritt war, so groß war der musikalische Genuss. Das Zusammenspiel der drei Stimmen, begleitet von (in wechselnder Besetzung) Akustikgitarren, Banjo, Ukulele oder Violine, erzeugte zeitweise geradezu himmlische Harmonien, die das Publikum vom ersten Song an verzauberten. Verstärkt wurde der Hörgenuss noch durch die unglaublich gute Akustik des runden Kuppelsaales, der mit seinen weiß getünchten Wänden, Galerien und Urnennischen auch visuell einen beeindruckenden Hintergrund für die Performance bildete.

Für Sarah Jarosz war dieser Abend ihr Deutschland-Debüt und die zweifache Grammy-Gewinnerin zeigte sich von der ausverkauften Location und der Herzlichkeit des Publikums wirklich beeindruckt. „It’s always so nice when you go somewhere you’ve never been and people show up.“

Ihre Kollegin Aoife hingegen hatte bereits Berlin-Erfahrung. Besonders seien ihr die Nackten unter den Bäumen im Tiergarten im Gedächtnis geblieben, ein Anblick, der eine Amerikanerin im ersten Moment ein wenig schocke, wie sie schmunzelnd bei der Ansage zu „Under the Apple Tree“ erklärte.

IM WITH HER 3Bei der Songauswahl standen natürlich klar die Stücke des Debüt-Albums “See You Around” im Fokus. Aufgelockert und ergänzt wurden sie durch ausgewählte Cover-Versionen. „Walkin’ Back to Georgia” von JIM CROCE, JOHN HIATTs „Crossing Muddy Water“ oder BILL MONROEs „Lord Lead Me On“ überzeugten in der I’M WITH HER – Version ebenso wie das VAMPIRE WEEKEND – Cover „Hannah Hunt“ im ersten Zugabenblock. Noch einmal für richtig Gänsehaut zum Abschluß sorgte die finale Zugabe. Für NINA SIMONEs „Be my husband“ verließen die drei die Bühne und performten den Song ohne Mikro direkt vor dem Publikum.

Keine Frage, dass die Anwesenden den Song wie natürlich auch das ganze Konzert mit Standing Ovations würdigte. Ein wirklich außerordentlicher musikalischer Genuss an einem ganz besonderen Ort, da freut man sich schon jetzt auf eine möglichst baldige Wiederholung. Einziger Wermutstropfen des Autors: Bei all den gespielten Coverversionen fehlte ausgerechnet das ADELE-Cover „Send My Love“, das auch auf dem Album zu finden ist. Aber das sind persönliche Befindlichkeiten, es war trotzdem einfach grandios gut.

Anmerkung der Redaktion zu den Bildern: Wir hätten Euch auch gerne visuelle Impressionen von diesem Konzert präsentiert. Leider wurde unserem Berichterstatter beim Eintreffen am Veranstaltungsort mitgeteilt, dass die Band kurzfristig ein generelles Fotoverbot verfügt hätte, das, so wurde ihm mitgeteilt, auch für Handy-Fotos gelte. Abgesehen davon, dass dem Glücklichen damit ein durch die wegfallende Arbeit umso größerer Konzertgenuss ermöglicht wurde [Danke an dieser Stelle!], empfand er es dann doch als etwas seltsam, dass gerade in den ersten Reihen während des gesamten Konzerts von vielen munter mit dem Smartphone geknipst und gefilmt wurde – von den diversen Digi-Pocketcams und dem für alle gut sichtbaren Herrn mit dem Audio-Rekorder erst gar nicht zu sprechen…

Da wir uns bei Schubladenfrei aber an entsprechende Ansagen und Regeln halten, blieben sowohl Spiegelreflexkamera als auch Telefon in der Tasche und Ihr, liebe geneigte Leser, müsst Euch leider an dieser Stelle mit dem etwas verkümmerten Zeichentalent unseres Autors begnügen. Wir bitten hierfür vielmals um Entschuldigung.

Setlist:

Ein Foto aus dem Silent Green haben wir dann aber doch noch. Zwar wurde es erst nach dem Konzert aufgenommen, aber es ersparte unserem Autor ein wenig Tipparbeit. Für weitere fotographische Dokumentationen des Konzerts empfehlen wir die Bildersuche bei den einschlägigen Suchmaschinen oder eine Suche nach den entsprechenden Hashtags bei Instagram. Bewegt-verwackelte Bilder finden sich mit Sicherheit auch massenhaft bei Youtube.

+ Overland

+ Hannah Hunt

++ Be My Husband



Teilen auf:
Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles, gesehen, Konzerte & Festivals abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *