DEINE LAKAIEN – (17.04.2011) – Berlin, Philharmonie

Deine Lakaien - 30Years - Berlin - 130 Jahre stehen Ernst Horn und Alexander Veljanov nun schon zusammen als DEINE LAKAIEN auf der Bühne. Zeit, um das Ganze im Rahmen einer Jubiläumstour mit speziellen Gästen und an ausgewählten Orten gebührend zu feiern. Das Konzert in der Berliner Philharmonie wirkte auf mich stellenweise allerdings eher wie ein Abgesang.

Vor allem vor der Pause wollte der Funke nicht so richtig überspringen. Die einzigen wirklichen Gänsehautmomente im ersten Teil des Abends bescherte dann auch bezeichnenderweise der Auftritt von Sabine Lutzenberger, die begleitet von Ernst Horn und der Band einige HELIUM VOLA Songs zum besten gab. Hingegen wirkte Alexander Veljanov seltsam unmotiviert und glänzte noch am meisten bei den seinerseits vorgetragenen Solo-Stücken „The Man with the Silver Gun“ und „The Sweet Life“. Beides entsprach nicht ausschließlich meinem subjektiven Eindruck, sondern ließ sich zu diesem Zeitpunkt auch durchaus am allgemeinen Applaus ablesen. Ebenso unmotiviert wie die Performance wirkte auch Veljanovs Kommunikation mit dem Publikum, wenn man davon überhaupt sprechen darf, denn eine solche fand während der ersten Hälfte des Konzerts eigentlich so gut wie gar nicht statt.

Deine Lakaien - 30Years - Berlin - 2Wer weiß, vielleicht hat ihn in der Pause jemand genau darauf aufmerksam gemacht? Im zweiten Teil des Abends sprach er dann nämlich zumindest deutlich mehr, wenn seine Ansagen auch mitunter ein wenig wirr wirkten. Überhaupt wirkte das Ganze insgesamt recht steif und wenig spontan, da war der von Veljanov mit einem trockenen „stimmt“ kommentierte „Deine Lakaien!“-Zwischenbrüller eines Fans noch das höchste der Gefühle.

À propos spontan… Auch der kleine „Schlussgag“ im Zugabenblock, bei dem sich Ernst Horns „Labor“ bei den ersten Tönen von „Overpaid“ plötzlich selbstständig zu machen schien und ein Techniker sozusagen als Retter in der Not am E-Bass eingreifen musste, war wenig lustig, wenn man wusste, dass es diese „technische Panne“ bereits bei allen Konzerten der Tour gegeben hatte. Und selbst hätte man es nicht im Voraus gewusst, wirkte es doch sehr einstudiert. Betrachtet man sich die Ankündigungen der Jubiläumsretrospektive-Konzerte, so war der durchkomponierte Charakter der Show möglicherweise sogar beabsichtigt. Aber wie es schon meiner Erfahrung bei Schul-Referaten entspricht: etwas auswendig Gelerntes lebendig wirken zu lassen ist mithin wesentlich schwieriger, als das Ganze mit ein wenig mehr Lockerheit anzugehen und gegebenenfalls zu improvisieren. Unterhaltsamer und vor allem authentischer wirkt, wenn man nicht gerade ein begnadetes Schauspieltalent besitzt, fast immer letzteres.

Deine Lakaien - 30Years - Berlin - 3Ein großes Kompliment gebührt aber in jedem Fall der musikalisch hochklassigen Band, die Ernst Horn und Alexander Veljanov an diesem Abend begleitete. Neben Sabine Lutzenberger (Gesang), die jedoch abgesehen vom letzten Zugabenblock nur in den Helium Vola – Parts auf der Bühne war, und Igor Zotik (Keyboard, Elektronik), der aus der Livebesetzung von Veljanovs Soloprojekt stammt, waren die altbekannten Gesichter Goran Trajkoski (Gitarre, Elektronik, Background-Gesang), Slobodan Kajkut (Schlagzeug, Background-Gesang), Katharina Garrard aka Sharifa und Ivee Leon (Violine, Background-Gesang) und natürlich der großartige Tobias „B.Deutung“ Unterberg am Cello mit von der Partie.

Ein mindestens ebenso großes Kompliment – und zwar mit einem dicken Ausrufezeichen – hat das Lichtdesign der Show verdient! Nicht überladen, extrem stimmungsvoll und immer wunderbar auf die Musik abgestimmt. Habe ich der Qualität tatsächlich so lange nicht mehr gesehen.

Es verwundert nicht, dass auch im zweiten Teil des Abends die Songs von HELIUM VOLA zu den Highlights zählten. Gottseidank gab es hier aber dann wenigstens auch ein paar Höhepunkte im Lakaien-Set. Vor allem nach „Reincarnation“ und „Dark Star“, die das reguläre Set beschlossen, fragte man sich unwillkürlich: „Warum denn nicht gleich so?“ Hier waren die stehenden Ovationen tatsächlich angebracht, und natürlich gingen sie auch ganz zum Schluss schon alleine wegen der Lebensleistung und Bedeutung der Band absolut in Ordnung.

Deine Lakaien - 30Years - Berlin - 4Als Dreingabe gab es dann neben dem bereits erwähnten „Overpaid“ noch drei weitere Songs und als Krönung natürlich zu guter Letzt die unvermeidliche und von den Fans heiß ersehnte Dark-Romantic-Hymne „Love Me To The End“, die von Alexander Veljanov und Sabine Lutzenberger im Duett gesungen wurde. Alles in allem ein netter Abend in edler Atmosphäre, der in seiner Songauswahl einen schönen Querschnitt durch das 30jährige Schaffen der deutschen Indie-Vorzeigeband bot. Wirklich vom Hocker gerissen hat mich der Auftritt indes jedoch nicht. Zu sehr konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, die alten Helden seien ein wenig müde geworden.

 

Setlist:

Part 1:

1. Away
2. Colour-Ize
3. Gone
4. Lonely
5. Mahnung (Helium Vola)
6. Dormi (Helium Vola)
7. Selig (Helium Vola)
8. Over And Done
9. Where You Are
10. The Man With The Silver Gun (Veljanov solo)
11. The Sweet Life (Veljanov solo)
12. Return
13. Fighting The Green

Part 2:

14. Walk To The Moon
15. Contact
16. Where The Winds Don’t Blow
17. Begirlich In Dem Hertzen Min (Helium Vola)
18. Omnis Mundi Creatura (Helium Vola)
19. Cupid’s Disease
20. Seraphim
21. Mein Weg (Veljanov solo)
22. We Can’t Turn Back (Veljanov solo)
23. Reincarnation
24. Dark Star

Encore 1:

25. One Night
26. Mindmachine
27. Overpaid

Encore 2:

28. Pilgrim
29. Love Me To The End



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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