OKRA PLAYGROUND – „Rautasuu“ (Single-Review)

Okra Playground - Rautasuu - COVERMit ihrer Debüt-CD „Turmio“ sorgten OKRA PLAYGROUND im letzten Jahr bereits für einiges Aufsehen bei Kritikern und Fans nordischer Folkmusik. Nun legen die Finnen nach. Die soeben erschienene Single „Rautasuu“ ist der erste Vorgeschmack auf das im nächsten Jahr erscheinende, zweite Album.

Der Titel des neuen Stücks lautet übersetzt etwa „Trauer-Ross“, und beschreibt ein edles Pferd, dass mit seinen starken Knochen unsere Trauer trägt, wenn wir müde sind. Die nordische, schon fast ans schmerzhafte grenzende Melancholie ist ja etwa auch im finnischen Tango omnipräsent. Dieses für Finnland beinahe schon archetypische Gefühl wird jedoch von Mitteleuropäern gerne verkannt, denn natürlich wohnen da oben nicht nur Trübsal blasende Trauerklöße. Für den besonderen Menschenschlag, den das Leben in einem kargen und im wahrsten Sinne des Wortes nicht von der Sonne verwöhnten Land hervorgebracht hat, ist es nicht nur Ausdruck verzweifelter Depression, sondern auch eine unheimliche Kraftquelle. OKRA PLAYGROUND machen diese Kraft mit dem Bild des kraftvollen Pferdes, vor allem aber durch ihre Musik spürbar. Das Sextett ist zwar tief in der finnischen Folktradition verwurzelt, präsentiert diese jedoch im modernen Gewand. Typische Instrumente wie die Kantele (Kastenzither) oder die Jouhikko (Bogenleier) werden kombiniert mit E-Bass und elektronischen Sounds und bereiten so einen dunkel-mystischen Klangteppich, über dem der mehrstimmige Gesang der drei Vokalistinnen Maija Kauhanen, Essi Muikku und Pävi Hirvonen gleichsam ätherisch schwebt. Das hat durchaus Soundtrack-Qualitäten und zwar im Breitwand-Format. (Kleiner Tipp: Laut hören lohnt sich!) In manchen Momenten fühlt man sich atmosphärisch fast ein wenig an alte CLANNAD-Zeiten erinnert – nur noch ein wenig moderner, komplexer und im finnischen Klanguniversum angesiedelt.

Leider findet sich auf der Single nur ein neuer Track, daneben sind noch die beiden Stücke „Kaunokieli“ („Silberzunge“) und „Kun mun kultani utlisi“ („Wenn mein(e) Liebste(r) kommt“) vom Erstling „Turmio“ enthalten. Ein ganz feiner Appetithappen auf das kommende, zweite Album ist „Rautasuu“ aber allemal!

 

Tracklist:

1. Rautasuu (Steed of Sorrow)
2. Kaunokieli (Silvertongue)
3. Kun mun kultani utlisi (If my beloved shall come)

 

OKRA PLAYGROUND
Rautasuu
(Single)
Nordic Notes / Okra Playground
2017

 

 



Teilen auf:
Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles, Gehört, Musik abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *