VUUR – Berlin, Lido

vuur slf 2Seit ihrem Ausstieg bei THE GATHERING hörte man ANNEKE VAN GIERSBERGEN in härteren Zusammenhängen vornehmlich in Form von Gastauftritten oder Kooperationen (u.a. NAPALM DEATH, MOONSPELL, ANATHEMA, DEVIN TOWNSEND PROJECT, AYREON, THE GENTLE STORM). Nun hat sie mit VUUR wieder eine eigene ProgMetal- Formation an den Start gebracht, deren Mitglieder sich unter anderem aus Teilen der GENTLE STORM Liveband rekrutieren. Nach ersten Bühnen-Tests als Support von EPICA wagte sich das Quintett nun erstmals auf Headliner-Tour durch Europa und machte dabei auch im Berliner Lido Station.

votum slf 2Die Bühne des Kreuzberger Clubs betraten sie allerdings nur zu viert, aber dazu später. Vor dem eigentlichen Vergnügen gehörten die Bretter, die die Welt bedeuten, zunächst einmal dem unvermeidlichen Support Act, in diesem Fall den Progrockern von VOTUM aus Polen. So ganz stimmt der Satz in dem Fall nicht, denn das Vergnügen fand bereits hier seinen Anfang, da die Sechs aus Warschau tatsächlich der seltenen Spezies „gute Vorband“ zuzurechnen waren. Sogar der noch selteneren, die da heißt „verdammt gute Vorband“. Herrlich doomige Riffs und die ausdrucksstarke Stimme von Frontmann Bartosz Sobieraj zogen fast alle Anwesenden schon nach wenigen Songs immer mehr in ihren Bann und bescherten der Band wesentlich mehr als den üblichen Höflichkeits-Applaus.

vuur slf 1Der steigerte sich natürlich aber noch um einiges, als die Lichter zum zweiten Mal ausgingen und Anneke und ihre Jungs mit „Time – Rotterdam“ ihr Set eröffneten. Aber, ich hatte es ja bereits erwähnt, da fehlte doch jemand? Die offensichtliche Abwesenheit eines Bandmitglieds wurde von Anneke dann auch gleich nach dem Song angesprochen: „You might have noticed that we have no bassist…“ Johan van Stratum hatte die Tour leider einen Tag zuvor kurz vor dem Hamburg-Auftritt wegen eines familiären Notfalls abbrechen müssen. Schade, aber sein Fehlen fiel tatsächlich nicht so schwer ins Gewicht, wie man hätte befürchten können. Dies ist jetzt definitiv nicht als Abwertung seines Beitrags zum Sound der Band zu verstehen sondern vielmehr als Kompliment an den Rest der Band, vor allem an die beiden Gitarristen Ferry Duijsens und Jord Otto, die den Ausfall der tiefen Töne meisterhaft zu kaschieren verstanden.

vuur slf 21Bereits im Vorfeld der Tour war verkündet worden, dass neben dem neuen Material von VUUR auch Stücke aus Annekes vorherigem Schaffen Teil der Setlist sein würden. Und dieser Ankündigung wurde  bereits mit dem dritten Song des Abends Rechnung getragen. „On Most Surfaces“ vom THE GATHERING Album „Nightime Birds“ sorgte unter den nicht wenigen anwesenden Fans der legendären niederländischen Progrocker (Autor inklusive) für erhöhte Glückshormonausschüttungen, die dann auch durch entsprechend stürmischen Beifall kundgetan wurden. Nach „The Martyr and the Saint – Beirut“ folgte mit „The Storm“ (THE GENTLE STORM) bereits das nächste „Fremdstück“. Und auch die nächsten beiden Stücke waren nicht Teil des eigentlichen VUUR-Programms. Für das von Anneke akustisch dargebotene AUDIOSLAVE-Cover „Like a Stone“ verließ der Rest der Band zunächst komplett die Bühne, beim anschließenden „Valley oft he Queens“ (AYREON) kehrte dann Ferry Duijsens an der Akustikgitarre zurück.

Nach dieser ruhigen Einlage war es wieder Zeit für eine anständige Packung VUUR. Mit „Freedom – Rio“, „Days Gone By – London“ und „Your Glorious Light Will Shine – Helsinki“ gab es noch einmal ordentlich auf die Ohren. Ich muss sagen, dass mir die Stücke live (noch) besser gefallen, als auf dem Album. Der GATHERING-Klassiker „Strange Machines“ beschloss schließlich den „regulären“ Teil des Sets.

vuur slf 23Natürlich war das Ganze damit noch nicht zu Ende, denn gemäß des ungeschriebenen Gesetzes des modernen Konzertwesens muss man dem tobenden Publikum ja immer suggerieren, dass die letzten Songs des Abends tatsächlich Zugaben sind. „Fallout“ (DEVIN TOWNSEND PROJECT) und „Reunite! – Paris“ setzten dann den endgültigen Schlusspunkt unter einen gelungenen Abend.

 

Setlist:

  1. Time – Rotterdam
  2. My Champion – Berlin
  3. On Most Surfaces
  4. The Martyr and the Saint – Beirut
  5. The Storm
  6. Like a Stone
  7. Valley of the Queens
  8. Freedom – Rio
  9. Days Go By – London
  10. Your Glorious Light Will Shine – Helsinki
  11. Strange Machines

Zugabe:

  1. Fallout
  2. Reunite! – Paris

 



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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