Mark Brandis, Raumkadett – Folge 8 „Mondschatten“ (Hörspiel-Review)

Cover Mark Brandis 8

„Es geht weiter mit Mark Brandis, Raumkadett“. Nach der Auftaktfolge „Laurin“ erschien nun die zweite Folge der zweiten Staffel, die wieder einmal einiges an Spannung, Action, Dramatik und diesmal auch Tragik zu bieten hat.

In der Astronautenschule gehen Gerüchte um: die Gruppe, in der Mark Brandis und seine Freunde ausgebildet werden, soll gegen Jungkadetten antreten, die die Raumflotte heimlich trainiert hat. Als Ort der Übungsmanöver wurde der Mond ausgewählt. Doch kaum sind sie dort eingetroffen und auf sich allein gestellt, kommt alles anders. Und es hilft Mark Brandis nicht, dass er ausgerechnet jetzt Nina wieder begegnet. Der Frau, die ihm vor Jahren das Herz gebrochen hat …

Wie der Klappentext bereits andeutet, ist diesmal eine Portion Herzschmerz angesagt. Aber keine Angst, die neue Geschichte um Mark Brandis rutscht deswegen keineswegs ins Kitschige ab. Mit Nina Aaby-Ericsson, die bereits in der allerersten Folge „Aufbruch zu den Sternen“ als Love-Interest dabei war, damals noch unter ihrem Mädchennamen Nina Axö, trifft Mark seine erste große Liebe erstmals wieder. Damals beging der jugendliche Held, um die drei Jahre ältere Schönheit zu beeindrucken, eine große Dummheit, die ihn beinahe alle Chancen auf die angestrebte Raumfahrerkarriere kostete. Auch das plötzliche Wiedersehen lässt den Helden nicht gerade kalt und seine Gefühle für die Dame bestimmen in großen Teilen sein Handeln in der neuen Episode, von der anfänglichen Schüchternheit ihr gegenüber bis hin zum dramatischen Ende.

Der Rückgriff auf die Handlung der Pilotfolge beschert damit auch ein Wiederhören mit der großartigen Sarah Alles, die man unter anderem aus der ebenfalls von Interplanar produzierten Hörspielserie „Heliosphere 2265“, als Station-Voice von EinsPlus und als Schauspielerin in vielen deutschen Fernsehfilmen, Serien und Soaps kennt. Mit ihrem Kollegen Nico Nothnagel (Greg Badger) ist gleich noch ein Mitglied des „Heliosphere 2265“ Ensembles in dieser Folge vertreten.

Aus einem ganz anderen Folgenreich-Hörspieluniversum kennt man Fang Yu (Oberstlt. Yu): Der Sprecher des kultigen Kneipenbesitzers Mr. Ming bei der Horror-Sitcom „Jack Slaughter – Tochter des Lichts“, war allerdings auch schon einmal in einer Folge der Mark Brandis Originalserie zu hören, nämlich als Tschou Fang Wu in Episode 32 „Der Pandora-Zwischenfall“. In eben dieser Folge war auch Hans-Eckart Eckhardt bereits dabei, damals als Prof. Arved Yago. Seine markante Stimme ist seit den 70er Jahren durch zahlreiche Radiosendungen (u.a. NDR, WDR, SWR, SFB und RIAS) und aus vielen Fernsehdokumentationen wohl vertraut. In der aktuellen Raumkadett-Folge leiht er sie dem geheimnisvollen Warren.

Neben solchem Sprecher-Urgestein wartet „Mondschatten“ aber auch mit durchaus bemerkenswertem Hörspiel-Nachwuchs auf. Neben der jungen Stammbesetzung Daniel Claus (Mark Brandis), Sebastian Fitzner (Robert Monnier) und Sebastian Kluckert (Alec Delaney) ist hier besonders Arne Kapfer als Rodrigo Rojas zu nennen. Der inzwischen Fünfzehnjährige sprach bereits vor drei Jahren die Hauptrolle im Hörspiel „Ender’s Game“, bei dem ebenfalls Balthasar von Weymarn Regie führte. Seine Sprechertätigkeit wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt, denn Mutter Ulrike kennt man unter anderem als Dokustimme bei N24 und beim ZDF; Berliner und Bremer Radiohörern ist sie als Station-Voice von RadioEins beziehungsweise NWR vertraut.

Die Story von „Mondschatten“ ist gut umgesetzt und spannend und actionreich erzählt. Auch am Sounddesign und der Musik gibt es wie gewohnt wenig auszusetzen. Lediglich gegen Ende geht mir manches zu schnell und die Emotionen kommen mir ein bisschen zu kurz, vor allem angesichts des dramatisch-tragischen Verlaufs. Hier wird das Innenleben der Figuren, vor allem der Hauptfigur, leider ein wenig den sich überschlagenden Ereignissen geopfert. Vor allem, wenn ich bedenke, wie ich selbst mich in dieser Situation fühlen würde, hätte ich mir da ein wenig mehr gewünscht, auch hätte der Abschied von Nina mehr verdient gehabt als nur die kurze Erwähnung quasi nebenbei.

Abgesehen von dieser meiner „Standardkritik“, die ich sowohl bei einigen Folgen der Originalserie als auch bei einigen Prequels schon mehrfach geäußert habe, ist das neue Abenteuer des Raumkadetten und seiner Freunde aber wieder einmal höchst empfehlenswert.

 www.markbrandis.de

Nerdfact: Die Existenz großer Lavatunnel auf dem Mond wurde schon seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts angenommen und gilt spätestens durch die Entdeckung sogenannter „Skylights“ (Einstürze) als nachgewiesen (ebenso wie auf Mars und Venus). Die Nutzung solcher Strukturen als Standort für Mondbasen wird bei der NASA bereits seit Mitte der 80er Jahre ernsthaft diskutiert.

VÖ: 15.04.2016

Gesamtspielzeit: ca. 56 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Cast
Mark Brandis: Daniel Claus
Alec Delaney: Sebastian Kluckert
Lt. Wilhelm Eckmann: Wanja Gerick
Maj. Richard Westhoff: Leon Boden
Robert Monnier: Sebastian Fitzner
Nina Aaby-Ericsson: Sarah Alles
Rodrigo Rojas: Arne Kapfer
Mark Brandis (Erzähler): Michael Lott
Greg Badger: Nico Nothnagel
Oberstlt. Yu: Fang Yu
Warren: Hans-Eckart Eckhardt
Cpt. Lembeck: Konrad Bösherz

sowie Anne Elsen und Henning Schäfer

Credits
Unter teilweiser Verwendung von Charakteren erschaffen von Nikolai v. Michalewsky
Manuskript: Balthasar von Weymarn
Sounddesign & Musik: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Tommi Schneefuß und Dennis Schmidkunz
Wortschnitt: Henrik Cordes
Tonstudio: Sound Of Snow, Berlin
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker und Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss
Layout/ Satz: Jürgen Straub
Product Management: dp
Label: Folgenreich (LC 12520)



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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