Marion Gindhart/ Tanja Pommerening (Hg.) – Anfang und Ende (Buch-Review)

gindhart-pommerening-anfang-und-ende-coverFolgt nach dem „Big Bang“ der „Big Crunch“, also wird sich unser expandierendes Universum irgendwann wieder zusammenziehen? Oder erstarrt es irgendwann in kalter Ödnis? Dass die Frage nach dem Anfang und dem Ende des Universums beziehungsweise der Welt die Menschen nicht erst in Zeiten der modernen Astrophysik fasziniert, zeigt das Buch „Anfang und Ende“, das Erschaffungs- und Endzeitszenarien in verschiedenen alten Kulturen untersucht.

Der Sammelband umfasst insgesamt sechs Aufsätze, von Referenten verschiedener Fachbereiche, die sich mit vormodernen Weltentstehungs- und Weltuntergangsszenarien in Mesopotamien, im alten Ägypten, bei Griechen und Römern, im frühen Christentum und im Frühmittelalter beschäftigen. Er basiert auf einer Ringvorlesung des Graduiertenkollegs „Frühe Konzepte von Mensch und Natur“, die im Wintersemester 2014/2015 an der Johannes Gutenberg Universität Mainz stattgefunden hat. Damit eine Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Kulturen möglich wird, orientieren sich die Abhandlungen vor allem an Fragen nach den der Weltentstehung zugrunde liegenden Zuständen, den Urstoffen und den dabei handelnden Prinzipien, ebenso wie den Gründen und Ursachen für die Vergänglichkeit der Schöpfung. Dies ermöglicht es den Herausgeberinnen in einem abschließenden Epilog eine Zusammenschau der Beiträge vorzunehmen und entsprechende Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten.

Da alle der untersuchten Kulturen räumlich miteinander in Kontakt standen beziehungsweise aufeinander folgten, ergibt sich hier jedoch, wie auch die Herausgeberinnen unumwunden zugeben, das Problem eines nicht auszuschließenden und zum Teil sogar sehr wahrscheinlichen Wissenstransfers. Etwaige Universalien in den untersuchten Konzepten vom Werden und Vergehen der Welt lassen sich dadurch kaum aufspüren. Hier wären weitergehende Vergleiche mit Kulturen nötig, bei denen eine gegenseitige Beeinflussung ausgeschlossen werden kann, etwa mit den Hochkulturen Südamerikas oder der Mythologie der australischen Ureinwohner. Dies wäre sozusagen der nächste Schritt. Für den eurasischen Kulturraum liefert der vorliegende Band einen ersten Überblick.

Die über 100 meist farbigen Abbildungen, ausführliche Anmerkungen, sowie ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis ermöglichen es auch dem Laien, Zugang zu finden und, wenn gewünscht, tiefer in den Themenkomplex einzutauchen.

Marion Gindhart/ Tanja Pommerening (Hg.)
Anfang und Ende
Vormoderne Szenarien von Weltentstehung und
Weltuntergang
Verlag Philipp von Zabern – WBG 2016
144 Seiten, € 29,95
ISBN 978-3-8053-5032-7



Teilen auf:
Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles, Gelesen abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *