UKULELE DEATH SQUAD – (25.08.2026) – Berlin, Privatclub

Man nehme ein paar Ukulelen, Schlagzeug, Percussion, Geige, Banjo und diverse Blasinstrumente und mische sodann Mariachi-Folk mit Rock, Pop, Swing, Jazz und einer guten Dosis Soul, würze mit einem Schuss Tarantino-Soundtrack, ein wenig Flamenco, ein bisschen Piraten- und Shanty-Romantik sowie einer Prise Balkan-Klängen und verbinde das Ganze abschließend mit einer gehörigen Portion Queerness, Body Positivity, Punk-Attitüde, musikalischer Präzision, unbändiger Spielfreude und schierem Spaß an anarchischem Chaos – fertig ist die UKULELE DEATH SQUAD. Am vergangenen Dienstag machte die verrückte Truppe aus Down Under auf ihrer Europatour Station im Berliner Privatclub.

Nun ist der Kreuzberger Club nicht gerade einer der größten der Hauptstadt, da konnte man sich im Vorfeld schon fragen, wie das Oktett eigentlich auf die kleine Bühne passen würde. Das sei kein Problem, so Sängerin Ashley nach dem Konzert, die Band habe schon auf noch kleineren Bühnen gespielt. So war die Sorge dann auch wirklich unbegründet, denn die Australier lieferten eine Show, die die Wände zum wackeln brachte. In Verbindung mit der Enge des ausverkauften Clubs stellten sich bald Saunatemperaturen ein, was der Feier- und Tanzwut von Band und Publikum jedoch keinen Abbruch tat. Vor zwei Jahren war die UKULELE DEATH SQUAD erstmals hierzulande auf Tour und hatte sich da bereits mit ihrer unglaublichen Performance und ihrer sympathischen Art eine große Fangemeinde erspielt, was sich auf der neuen Tour nun auszahlt: Umjubelte Auftritte auf dem Bardentreffen, dem Herzberg Open Air oder vor 2000 Menschen in der Jenaer Kulturarena sprechen Bände.

Auch das Berliner Publikum feierte jeden Song der Australier ab, seien es Klassiker wie „Till The Death“, „Eyes Like That“, „Movies“, „Paris On A Train“, „Baby Don’t Fuck With Me”, oder „Down“, seien es neuere Stücke wie „Cooee“ oder „Black Cat“. Beim Mitsingen zeigte sich das Hauptstadtpublikum ebenfalls textsicher, besonders schön war der Chor im Zugabenblock bei „Lowlands“.  

Nicht nur der eingangs erwähnte, sehr eigene Stilmix macht UKULELE DEATH SQUAD zu einem wirklich bemerkenswerten Phänomen, denn all das anarchisch wirkende Chaos auf der Bühne darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das, was da musikalisch geboten wird, absolut hochklassig und extrem präzise ist. So etwas setzt normalerweise nicht nur Talent und gegenseitiges musikalisches Verständnis, sondern auch sehr intensives Proben voraus, und genau da wird es bei der DEATH SQUAD schwierig: Zwar gibt die Band als Herkunftsort Adelaide an, die Musiker*innen wohnen und arbeiten jedoch über mehrere Städte verteilt. Bedenkt man die Entfernungen in Australien, ein nicht zu unterschätzendes Problem. Dazu kommt, dass beinahe alle Bandmitglieder “nebenbei” noch in kaum wenig arbeitsintensiven Daytime-Jobs wie Anwält*in oder Lehrer*in tätig sind oder ein Studium absolvieren. Wie man es unter diesen Voraussetzungen schafft, zu acht auf der Bühne wie eine gut geölte Maschine zu funktionieren und harmonieren, da kann man mehr als nur den Hut ziehen!

Und als wäre das noch nicht genug, sind sie alle auch noch Multiinstrumentalist*innen – so gehörten nicht nur die virtuosen Saxophon-Soli von Schlagzeuger (!) Reuben auch beim Auftritt im Privatclub zu den Highlights des Abends, das Ganze ist auch nicht unpraktisch, wenn man sich mal gegenseitig vertreten muss, was bei der oben beschriebenen Struktur der Band durchaus immer mal wieder vorkommt. Auf der diesjährigen Europa-Rundreise traf es Ashley, für die die Berliner Show die letzte der Tour war. Da die Sommerferien in Australin zu Ende gingen, hieß es für die Lehrerin am nächsten Morgen: ab in den Flieger zurück nach Sydney. Der schmerzhafte Abschied wurde auf der Bühne natürlich auch noch entsprechend gewürdigt und so gab es nach der allerletzten Zugabe noch „The Leaving of Ashlee Randell“ als dann wirklich allerallerletzte Zugabe.

Ein wirklich schöner Konzertabend, der keine Wünsche offenließ. Na gut, einen vielleicht, nämlich den, dass sich die sympathisch-schräge Truppe möglichst bald wieder auf deutschen Bühnen einfinden möge!

Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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