Vladiwoodstok – Blockfish (CD-Review)

vladiwoodstok blockfish

Fischstäbchen für alle! Äh, Blockfish. Trotzdem für alle.

Die Fischereiindustrie spielt nämlich in Vladiwodstok eine bedeutende Rolle. Viel gemeinsam haben die russischen Hafenstadt und das berühmte Hippiefestival Woodstock, das 1969 in den USA stattfand, wohl nicht. Doch gemeinsam sind die beiden Orte namensgebend für VLADIWOODSTOK und wegweisend für die Bandbreite der verarbeiteten Einflüsse der Band. Frisch zusammengerührt wird das wilde Konglomerat aus Polka, Pop und Rock’n’Roll unter dem Namen „Ompa Twang“ auf die Welt losgelassen. Das klingt wirklich nach „finnischem Dynamit“! Aus Skandinavien kommen VLADIWOODSTOK allerdings nicht. Zuerst entführt das Debütalbum der kreativen Nürnberger die Zuhörer mit „Circus Goho“ nach Gostenhof, den „traurigsten Stadtteil“ ihrer Heimatstadt, der ebenso dreckig wie liebenswert ist.

Stampfend und schnaufend wälzt sich etwas später die Kopfkino-Dampflok in „To the North“ durch die schiere Endlosigkeit, bevor das feuchtfröhlich „Ompa Bombastiko“ mit seiner spritzige Melodie das Tempo deutlich anzieht. Achtung, Ohrwurmgefahr! Die englischen Texte sind humorvoll, liegen aber leider nicht in Bookletform vor; einer der ganz wenigen Kritikpunkte an dem Album. „What, you have no Blockfish?!“, erkundigt sich jemand entsetzt zu Beginn des sechsten Songs, der die Zuhörer zum Tanzen anleitet. Ob beim Walzer oder später beim „Deadman Tango“, Füße stillhalten ist einfach unmöglich. Also lieber vor dem CD-Auflegen den Vorhang zuziehen – oder das Fenster weit aufmachen, die Musik laut aufdrehen, im Takt mitschnipsen und die Nachbarn gleich mitfeiern lassen.

Das etwas langsamere „Down in Vladiwoodstok“mit der gemächlich vor sich hin stapfender Tuba ist eine wunderbare Ballade. Überhaupt stürmt die Scheibe trotz aller „Dirty-Harry-Polka“ nicht einfach kopflos drauf los, sondern legt an genau den passenden Stellen Pausen zum Atemholen ein. Die Stücke sind richtig gut arrangiert und das hochdynamische Album groovt vom ersten bis zum letzten Song: Es besticht durch Vielseitigkeit sowie sein dichtes Klangbild und endet schließlich mit einer kaputten Kalaschnikow. Bevor es aber so weit ist prägen neben dem Bass, einem prägnanten Schlagzeug mit Hang zu Offbeats und dem treffenden Gesang noch die charismatische Tuba und das melodische Akkordeon den Sound während die (Twang)Gitarre für den nötigen Schub sorgt. Definitiv ein Album mit Charakter!

Man mag geneigt sein, hier die finnischen Humppahelden von ELÄKELÄISET zu erwähnen, doch eigentlich braucht es das ebenso wenig, wie andere Referenznamen. Das, was Vladi Iglu Hautawekk, Jakob Johann, Rado, Mischa Beton und Frank Friedbert hier fabrizieren, ist herrlich eigenständig. Ihr Handwerk beherrschen die fünf Herren ohne Zweifel und noch etwas ist klar: Da steckt Herzblut drin. Und vielleicht ein paar Aufputschmittel. Eine knappe Dreiviertelstunde rocken, oder besser gesagt polkan, sich VLADIWOODSTOK durch ihr Debütalbum. Wirklich lang ist das nicht. Zum Glück ist das nächste Album bereits in der Mache. Bis dahin kann man einfach gleich wieder auf den ersten Song schalten oder noch besser vorsorglich dauerhaft auf „repeat all“ stellen.

Wer behauptet da also, Geld macht nicht glücklich? „Blockfish“ ist der Beweis, dass man gute Laune kaufen kann – scheibchenweise. Und so eine Scheibe gute Laune sollte jeder im Regal stehen haben!

Anspieltipps:
To the North
Ompa Bombastiko
Blockfish

Tracklist
01. Circus Goho
02. Finnish Dynamite
03. Maama
04. To The North
05. Ompa Bombastiko
06. Blockfish
07. Down In Vladiwoodstok
08. Deadman Tango
09. Melting Pot
10. Stamppotwalk
11. Waltz Noir
12. AK 47 Kaputt

[beste!Unterhaltung]

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Janina Stein

Über Janina Stein

Kulturgeographin, Fotografin und freie Journalistin, zuletzt 1 ½ Jahre unterwegs in Neuseeland, Australien und Asien. janina.stein (at) schubladenfrei.de
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