The Pretty Reckless – Going to hell (CD-Review)

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Wenn einem beim Hören eines neuen Albums gleich der erste Track schon nach wenigen Momenten komplett umhaut, ist das meist ein gutes Zeichen. Wenn man dann in der Folge das Gefühl hat, bei jedem Song den Repeat-Knopf drücken zu wollen, es aber nicht tut, weil der nächste beinahe noch besser ist, dann spätestens weiß man, dass das keine 08/15-Scheibe ist. Was der ehemalige „Gossip Girl“ – Star Taylor Momsen und ihre Band THE PRETTY RECKLESS mit ihrer zweiten Studioveröffentlichung „Going To Hell“ abgeliefert haben, verdient in meinen Ohren tatsächlich auch nicht weniger als das Prädikat „Killeralbum“!

Angefangen vom grandiosen Opener „Follow Me Down“ über die beiden schon bekannten Single-Auskopplungen „Going To Hell“ und das hymnische „Heaven Knows“, bis zu „Sweet Things“ oder „Absolution“ brettern einem die potentiellen Hits nur so um die Ohren. Und „Hit“ ist hier im positiven Sinn gemeint, denn das Ganze ist weit, weit entfernt vom allseits bekannten, schablonenhaften Teenie- oder Girlie-Rock. Dazu ist das Songmaterial einerseits zu vielseitig – so finden sich unter anderem Hard- und Southern-Rock-Einflüsse, NewMetal-, Grunge- und auch Gothic-Anklänge auf dem Album – andererseits besticht die Musik in nicht wenigen Momenten durchaus mit gehöriger Härte.

Dreh- und Angelpunkt des Ganzen ist ganz klar Taylor Momsens Gesang, der von druckvoller Rockröhre bis zu astreinen Metal-Screams beinahe alle Nuancen abdeckt. Mit „House On A Hill“, „Burn“ und „Waiting For A Friend“ schlägt die Dame zwischenzeitlich dann auch mal sanftere Töne an, und auch das beherrscht sie wirklich perfekt. Vor allem bei den beiden ersteren lässt Taylors rauchige Stimme bei mir angenehme Gänsehautschauer über den Rücken laufen, ähnliches gilt auch für die beiden Akustik-Versionen von „Going To Hell“ und „Sweet Things“ am Ende des Albums.

Auf dem Coverartwork präsentiert Frau Momsen übrigens ihre komplett nackte Kehrseite, was allerdings kaum überrascht, wenn man ihre knappen Bühnenoutfits kennt. Im Gegensatz etwa zu Miley Cyrus, die ihre Karriere ja ebenfalls als Schauspielerin begonnen hat, nimmt man Momsen das „Bad Girl“ aber tatsächlich ab. Schließlich turnte sie bereits halb nackt über die Bühne, als Cyrus noch ihr harmloses Disney-Image pflegte. Musikalisch schlägt sie die „Kollegin“ sowieso um Lichtjahre.

Fazit: Pornotussi, exhibitionistische Rotzgöre – man mag von Miss Momsens Auftreten halten, was man will – spätestens mit diesem Album beweist die 20jährige, dass man sie als Musikerin verdammt ernst nehmen muss. Für mich eine DER Veröffentlichungen des Jahres 2014! Heilige Scheiße rockt das Teil…!

Anspieltipps: „Follow Me Down“, „House On A Hill“, „Absolution“

Tracklist:

1.Follow Me Down
2.Going To Hell
3.Heaven Knows
4.House On A Hill
5.Sweet Things
6.Dear Sister
7.Absolution
8.Blame Me
9.Burn
10.Why’d You Bring A Shotgun To The Party
11.Fucked Up World
12.Waiting For A Friend
13.Going To Hell (Live Acoustic)
14.Sweet Things (Acoustic)
15.Only You

[Cooking Vinyl / Indigo]



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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