Les Fragments de la nuit – Demain, c’était hier (CD-Review)

Les Fragments de la Nuit - Demain, C'était hier

Eröffnungssequenz: Die Kamera nähert sich aus der Luft einem verschlafenen Städtchen, taucht ein und fährt durch die Straßen, vorbei an den Bewohnern, die ihrem Tagwerk nachgehen, und verharrt schließlich kurz auf einem kleinen Häuschen, in dessen Vorgarten Kinder spielen, zieht dann jedoch wieder auf und fliegt über das Haus hinweg um die dahinter liegenden Felder und ein kleines Tal zu zeigen, während die Musik die ganze Zeit über schon erahnen läßt, daß das gezeigte Idyll trügerisch ist. Schnitt.

Schwarzweiß-Stummfilm: Schiffsuntergang. Der Protagonist kämpft gegen die elementaren Gewalten eines Sturms, während er seine Geliebte aus den Fluten zu retten versucht. Schnitt.

In etwa so ließen sich die ersten beiden Stücke des Albums „Demain, c’était hier“ der Neoklassikformation LES FRAGMENTS DE LA NUIT beschreiben. Oder natürlich auch gänzlich anders, denn die Bilder und Geschichten, die zu den jeweiligen Kompositionen passen, entspringen natürlich der individuellen Phantasie des jeweiligen Konsumenten und sind somit für jeden einmalig. Insofern wäre es tatsächlich müßig, hier jetzt weitere einzelne Stücke zu besprechen oder in Form von Anspieltips herauszugreifen, da die Interpretationen durchweg unterschiedlich ausfallen würden – Die Franzosen bieten astreine Filmsoundtrackmusik, ohne dabei den Film vorzugeben – das passende Drehbuch zu schreiben bleibt jedem selbst überlassen.

Unbestreitbar bescheinigen kann man dem jungen, 8-köpfigen Ensemble, neben der zweifellosen musikalischen Qualität der einzelnen Musiker jedoch, daß sie es vermögen mit ihren Kompositionen eine extrem hohe atmosphärische Dichte zu erzeugen, die den Hörer unwillkürlich in ihren Bann zieht und zumindest bei mir teilweise wirklich für Gänsehaut sorgte.

Fazit: Episch, sperrig, mitreissend, grandios und pures Kopfkino! Prädikat: empfehlenswert!

Tracklist:

1.    Zenith
2.    Cyclogenese
3.    Teletemps
4.    Cyrius B
5.    Soupir
6.    Allegra Aeternae
7.    Marche Nocturne
8.    Les Canons du Ciel (In Memory of Bolal Dia)
9.    Demain, c’était Hier
10.    Lunistice
11.    Des Restes Vivaces
12.    Thaïmiz Dih Enemy

[Equlibrium Music]

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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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