Die Kammer – The Seeming and the Real (CD-Review)

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Kammermusik hat heutzutage im Allgemeinen ein etwas angestaubtes Image. Dass das nicht unbedingt gerechtfertigt ist zeigt DIE KAMMER mit ihrem Debüt, einem filigranen Akustikalbum. Etliche der Beteiligten haben bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet, diese Vertrautheit merkt man ihrem neuen Projekt an. Sowohl Gitarrist Matthias Ambré und Schlagzeuger Oliver Himmighoffen als auch der Grafiker Ingo Römling waren in der Vergangenheit bei ASP tätig. Marcus Testory arbeitete ebenfalls mit den Gothic-Rockern zusammen – damals noch mit seiner alten Band CHAMBER. Von letzteren wurde auch der Name der KAMMER übernommen. Wenn man nun dem Erstlingswerk der KAMMER lauscht kommt man nicht umhin, dankbar dafür zu sein, dass die Musiker jetzt auf eigenen Wegen wandeln.

Neben der prägenden Akustikgitarre baut DIE KAMMER-Musik auf einem klassischen Gerüst aus Streich- und Blasinstrumenten auf. An Bratsche und Violine ist Matthias Raue, bei drei Songs jeweils auch Johannes Platz (Viola) bzw. Henning Vater (Violine) zu hören. Besonders sehnsüchtig klingt die Geige in „The Painter Man’s Spell“, bei dem Ingeborg Roß zusätzlich eine Zither beisteuert. Tabea Müller am Cello verleiht den Stücken eine warme Note und Dirk Klinkhammer sorgt mit seiner Tuba für noch satteren Klang. Die virtuosen Musiker haben gemeinsam ein atmosphärisch dichtes, detailreiches Album geschaffen, bei dem auch die angenehme Stimme absolut mit der Musik harmoniert.

Das erste Stück „The Orphanage“ heißt den Hörer in der KAMMER willkommen, nachdem schon die Bandmitglieder dort ihr musikalisches Zuhause gefunden haben. Der Track wurde bereits im Juni veröffentlicht, wobei in der damaligen Fassung noch eine gesprochene Passage enthalten war. Die Endversion wirkt dagegen flüssiger. Obwohl die Stücke vom Tempo her relativ verhalten sind reißen sie mit und laden dazu ein, sich vom sichere Rückzugsort in die Welt hinauszuträumen. Es ist große Musik, die dabei unglaublich bodenständig bleibt.

„The Seeming and the Real“ setzt sich in zwölf Songs, ganz dem Titel entsprechend, thematisch mit den verschiedenen Facetten von Schein und Sein auseinander. Träume und Hoffnungen werden dabei ebenso angesprochen, wie Schicksal, Erfolg und dessen Preis. Die angenehm erdigen Stücke besitzen ihre eigene Epik, in der es schwärmerisch und tiefgründig zur Sache geht. Teilweise erinnern die Melodien ein wenig an die LETZTEN INSTANZ zu Zeiten von Songs wie „Schlaflos“ und in „Riding the Crest“ und „Final Days (of Mankind)“ weht den Hörern ein Hauch JOHNNY CASH entgegen.

Die Veröffentlichung hat die Band weitgehend in eigener Hand behalten. „The Seeming and the Real“ ist beim „Delicious Releases“, dem Label von Marcus Testory erschienen. Aufgenommen wurde die Scheibe Ashborn Sound Studio von Matze Ambré, gemischt und gemastert anschließend von Vincent Sorg (Principal Studios). Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Sound überzeugen durchgehend, die Produktion wirkt rund, bleibt aber durchweg griffig. „The Seeming and the Real“ gehört nicht zu den CDs, die zu komplex sind, um sie im Hintergrund laufenzulassen, doch es wäre einfach eine Verschwendung, hier nicht wirklich zuzuhören. Einzelne Lieder lassen sich nicht herausgreifen, das ganze Album ist ein einziger Anspieltipp. Prädikat: Besonders wertvoll.

Tracklist:
01. The Orphanage
02. Fate/Illusion
03. Labyrinths of Despair
04. The Seeming and the Real
05. Black as Coal
06. Riding the Crest
07. The Backward Glance
08. Home in your Eyes
09. Singing: Surrender
10. The Grand Graveyard of Hopes
11. Final Days (Of Mankind)
12. The Painter Man’s Spell

[Delicious Releases]

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Janina Stein

Über Janina Stein

Kulturgeographin, Fotografin und freie Journalistin, zuletzt 1 ½ Jahre unterwegs in Neuseeland, Australien und Asien. janina.stein (at) schubladenfrei.de
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