HELENE BLUM – „Dråber af tid“ (CD-Review)

Helene Blum - Dråber af tid - coverGerade erst hat die dänische Sängerin und Geigerin HELENE BLUM zusammen mit ihrem Lebensgefährten Harald Haugaard das Weihnachtsalbum „Julerosen“ veröffentlicht. Nun steht Ihr neues Soloalbum in den Startlöchern.

Das neue Werk trägt den poetischen Titel „Dråber af tid“, was soviel heißt wie „Zeit-Tröpfchen“. So ganz „solo“ ist das Album allerdings nicht, denn natürlich wurde sie bei den Studioaufnahmen instrumental unterstützt. Neben ihrem Mann sind auch viele der anderen Studiomusiker wohl vertraut, handelt es sich doch um die üblichen Mitglieder der gemeinsamen Liveband. So sind neben Harald und Helene an den Violinen auch Mikkel Grue an der Gitarre, Tapani Varis am Bass, Sune Rahbek am Schlagzeug und Kristine Elise Pedersen am Cello zu hören. Weitere Gastmusiker steuerten unter anderem Flügel- und French Horn, Posaune, Trompete, Mandoline und Klavierparts bei.

Das mag beim Lesen nach einem großen Ensemble klingen, täuscht aber tatsächlich, denn an sich sind die meisten Songs sehr puristisch und akzentuiert instrumentiert. Im Vordergrund steht ganz eindeutig Helenes Gesang und der ist es auch, der dem Album seinen ganz besonderen Zauber verleiht. Ihre glockenklare und dabei sehr warme Stimme zählt für mich derzeit zu den schönsten Folkstimmen Skandinaviens.

Neben dem Folk finden sich auf dem Album auch Singer-/Songwriter-Anklänge und sogar eine Prise Pop, das Ganze wirkt aber selbst bei schmalzigen Liebesliedern wie „Friheden Station“ nie kitschig sondern immer ehrlich und authentisch. Das zeigt sich auch und besonders bei Songs wie dem wunderschönen „Din Fod Skal Gå“ („Deine Füße werden laufen“), in dem Helene, die vor etwas mehr als vier Jahren selbst Mutter einer Tochter wurde, das Glück beschreibt, dem eigenen Kind beim Aufwachsen zuzusehen. Neben Liebe und Mutterglück packt die Künstlerin in ihren Texten aber auch dunklere Themen an. So handelt das Stück „Et Øjebliks Stilhed“ („Die Stille des Augenblicks“) beispielsweise vom Dänisch-Deutschen Krieg 1864. Mit diesem Thema, in dem Fall der Besetzung Jütlands, hat am Rande auch die traditionelle Ballade „Det haver så nyligen regnet“ zu tun. Das Stück existiert dort in sehr vielen verschiedenen Text-Versionen, von denen zumindest eine unter dem Eindruck der deutschen Besatzung auch recht nationalistischen Inhalts ist. Helene singt hier allerdings den von Sven Grundtvig vorgeschlagenen, aus den ältesten Fassungen rekonstruierten Text. Ebenfalls ein dänisches Traditional ist „Som Stjernerne På Himlens Blå“, das einigen Folkfans hierzulande vielleicht noch in der Version der Band SORTEN MULD im Ohr sein wird. Im Gegensatz zu deren elektronisch-tanzbarer Umsetzung von 1997 entfaltet das Lied hier durch die sehr sanfte und ruhige Interpretation einen ganz andere Qualität.

Neben eigenen Songs und Traditionals enthält die CD auch mehrere Vertonungen bekannter dänischer Schriftsteller, wie etwa das aus der Feder des Neuromantikers Sophus Claussen stammende „En Lille Dråbe Blod“ („Ein kleiner Tropfen Blut“) oder Jens Peter Jacobsens Gedicht „Lad Våren Komme“ („Lass den Frühling kommen“).

Wollte man abschließend selbst poetisch werden, so könnte man denn auch das gesamte Album mit einem lauen Frühlingswind vergleichen, der einen beim Hören sanft umweht und seltsam glücklich zurücklässt. „Dråber af tid“ ist ein wirklich zauberhaftes Stück zeitgenössischer Folkmusik, das ich nicht nur Fans dieses Genres wärmstens ans Herz legen möchte!

Übrigens, ab Ende Februar kann man den Frühlingswind (zumindest musikalisch) auch hierzulande genießen, denn dann ist HELENE BLUM mit einem vierköpfigen Begleitensemble live in Deutschland unterwegs. Die Tourdaten findet Ihr wie gewohnt in unserem Veranstaltungskalender. Wir können den Besuch eines der Konzerte nur wärmstens empfehlen. Wer es dennoch zu keinem der Termine schafft, dem sei hier noch folgender Tipp gegeben: Das Konzert am 12.03. in der Bonner Harmonie wird vom Deutschlandfunk fürs Radio aufgezeichnet und am 24.03. ab 21:05 im Rahmen der Reihe „On Stage” gesendet.

 

 

 

HELENE BLUM
Dråber af tid
Pilehouse Records /
Westpark Music
(2017)

 

Tracklist:

1. En Lille Dråbe Blod
2. Friheden Station
3. Vores Historie
4. Barn Rødkindet
5. Din Fod Skal Gå
6. Lad Våren Komme
7. Tusind Tanker
8. Som Stjernerne På Himlens Blå
9. Et Øjebliks Stilhed
10. Det Haver Så Nyligen Regnet
11. Solen Er Så Rød Mor

 



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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