FAEY – „Honey & Cinnamon” (CD-Review)

FAEY - Honey & Cinnamon - CoverMit ihrem romantischen Debüt „Golden Apples“ verzauberten FAEY vor fast genau drei Jahren Mittelalter- wie Folk-Fans. Nun präsentiert die Band endlich den lang erwarteten Nachfolger „Honey & Cinnamon“.

Die Romantik ist eindeutig geblieben. Nicht verändert hat sich auch die schöne Stimme von Frontfrau Sandra Elflein, die zugleich der kreative Kopf hinter FAEY ist. Dennoch ist einiges anders geworden. Abgesehen vom formalen Wechsel zu einem neuen Label – das neue Album erscheint erstmals bei F.A.M.E. – kann man auch bereits beim ersten Hören feststellen, dass „Honey & Cinnamon“ sich von seinem Vorgänger durchaus unterscheidet.

Während man dort meinte, Sandras Vergangenheit bei FAUN stellenweise noch deutlich herauszuhören, weckt die Musik auf dem neuen Album kaum noch Pagan- oder gar Mittelalter-Assoziationen. Mit der diesbezüglichen Erwartungshaltung ihres Publikums setzt sich die Band übrigens in dem ironischen „Sorry! (Again it’s not a drinking song)“ auseinander. Nun, zum Schunkeln und Mitgrölen einladende Tavernen-Schlager haben FAEY ja sowieso noch nie gemacht. Auf der neuen Scheibe orientiert sich die Franken jedoch klar weg vom Mittelalter hin zu modernem, straightem Uptempo-Folkrock.

Aufgenommen wurde das Album abermals in den Great Hall Studios von Simon Michael Schmitt, der dem Ganzen einen wirklich satten Sound verpasste. Der SUBWAY TO SALLY Drummer saß jedoch nicht nur als verantwortlicher Produzent hinter den Reglern, sondern steuerte auch wieder selbst ein paar Schlagzeug- und Percussionparts bei.

Auch was die Texte betrifft, gehen FAEY auf dem aktuellen Album neue Wege. Das erste, was auffällt ist, dass man diesmal ausschließlich auf die englische Sprache setzt. Mit „The Flowers“, von Emily Brontë und Robert Louis Stevensons „Cherry Tree“ (im Original „Foreign Land“) finden sich zwar auch wieder zwei Gedicht-Vertonungen, jedoch längst nicht mehr so viele wie auf dem Debüt. Der überwiegende Teil der Lyrics stammt diesmal aus Sandras eigener Feder, wodurch die Songs zum Teil eine sehr persönliche Note bekommen. So ist „Pick an Apple“ zum Beispiel eine Liebeserklärung an ihren kleinen Sohn und „Flutterby“ eine augenzwinkernde Selbstbeschreibung der Künstlerin. Ihr Motto dabei: „Ich schreibe einfach das, was aus mir heraus kommt.“ Analog zur Jahreszeit der Veröffentlichung scheinen das beim Verfassen der übrigen Texte die sprichwörtlichen Frühlingsgefühle gewesen zu sein. Angefangen beim Opener „Strawberry Field“, das von einem ängstlichen Märchenprinzen handelt, gibt es jede Menge Songs, die von Liebe, Verführung und Küssen erzählen. Dabei beschränkt sich das Ganze keineswegs aufs rein märchenhaft-romantische, sondern geht, etwa beim Titelstück oder dem alkoholschwangeren „Wonderland“, auch schon mal etwas mehr zur Sache, um nicht zu sagen ab wie „Schmitt’s Cat“. Im letzteren Fall zwar rein instrumental, dafür hat das Stück, passend zum Titel, einen gehörig rockenden Drive.

Die Liebe ist bekanntlich etwas durch und durch schönes und so ist auch der Grundton des Albums durchweg positiv. Zwar sind die Texte durchaus nicht ganz frei von Melancholie, im Gegensatz zum Erstling findet diese jedoch kaum Niederschlag in der Musik. Das macht „Honey & Cinnamon“ auf der einen Seite zu einem ausgesprochen sonnigen Frühlingsbegleiter, der beim Hören fast automatisch gute Laune auslöst, auf der anderen Seite plätschern die Songs auf Dauer aber auch ein wenig gleichförmig dahin. Ein paar Brüche, ein wenig mehr „Ups and Downs“ hätten das Album in meinen Ohren noch besser gemacht. Die Betonung liegt hier auf dem Wörtchen „noch“, denn gut ist das Album trotzdem. Schließlich wünschen wir uns ja alle, mit einem fröhlichen Lachen durch den beginnenden Sommer zu tanzen und nicht, in melancholisches Grübeln zu verfallen. Folk the tiny butterflies!

Fazit: Fröhlicher Frühlings-Folkrock für Verträumte.

 

FAEY
Honey and Cinnamon
F.A.M.E.
VÖ: 28.04.2017

 

Tracklist:

1. Strawberry Field
2. Honey & Cinnamon
3. Pick an Apple
4. The Flowers
5. Flutterby
6. Schmitt’s Cat
7. Upside Down
8. Cherry Tree
9. Autumn Winds
10. Wonderland
11. Sailing Ships
12. Sorry!

 



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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