EVELINE – Berlin, Kantine am Berghain

Eveline 1Das Berliner Indie-Pop Duo EVELINE veröffentlichte am vergangenen Freitag seine Debüt-EP „Scared“. Angemessen gefeiert wurde das Release in der Kantine am Berghain. So mancher, der sich noch spontan entschieden hatte, vorbeizuschauen, musste allerdings schon an der Tür wieder umdrehen, denn der kleine Club war restlos ausverkauft.

Jeff Braun 1Volle Hütte also, das ist ja zunächst kein schleches Zeichen. Bevor die Fans jedoch in den Genuss von EVELINE kamen, gab es zunächst noch einen Support-Act. Der Berliner Sänger und DJ JEFF BRAUN und seine Combo überzeugten mit einem tanzbaren Reggae-Black-Music-Stilmix, bei dem man sich allerdings manchmal eine Spur weniger Mainstream und einen Hauch mehr dreckigen Funk gewünscht hätte. Die musikalischen Anlagen und das entsprechende Können wären durchaus vorhanden gewesen. Als Auftakt aber wie gesagt nicht schlecht, das Publikum konnte sich jedenfalls schon einmal ein wenig warm grooven.

Eveline 2Nach einer kurzen Umbaupause waren dann endlich die Hauptakteure dran. Als jemand, der die Band noch nie zu vor live gesehen hatte, war ich entsprechend gespannt. Besonderes Augen- beziehungsweise „Ohrenmerk“ lag vor allem auf Sängerin Lisa Kögler, die mich ja bereits auf der EP mit ihrer Stimmgewalt beeindruckt hatte. Entsprechend neugierig war ich, wie die Dame das live rüberbringen würde. Um es kurz zu machen: Sie ist auch auf der Bühne ein wirkliches Tier. Das ist jetzt zu 100 Prozent positiv gemeint und bezieht sich ausschließlich auf die gesangliche Leistung und die Show, denn attraktiv anzusehen ist die Dame in jedem Fall. Sozusagen Beauty und Beast in ein und derselben Person. Ihr Partner in Crime Jan Eric Markert ist, das liegt aber in der Natur der Sache, der unscheinbarere Teil der Band. Die Möglichkeiten, hinter den Keyboards Show zu machen, sind natürlich begrenzt. Dafür liefert er aber das musikalische Fundament, auf dem Lisa entsprechend brillieren kann. Zusammen ergeben die beiden live eine hochenergetische Mischung. So auch an diesem Abend. Und als hätte das nicht schon gereicht, hatten sie sich auch noch Verstärkung auf die Bühne geholt. Henk Hölzen an den Drums und Lukas Just an der Gitarre beziehungsweise am Saxophon machten den Sound so richtig rund und ließen die Groove-Maschine heiß laufen. Da schaffte es kaum einer im Saal, ruhig stehen zu bleiben.

Eveline 3Trotz Debüt-Konzert und ausverkauftem Haus wirkten EVELINE kaum angespannt und Lisa scherzte zwischen den Songs immer wieder mit den Fans. Dass die Band bei aller Coolness dann aber scheinbar doch ein kleines Bisschen nervös war, zeigte sich nach dem vierten Stück in der Setlist: „Ups, da haben wir vor lauter Aufregung doch glatt „Time“ vergessen. Na gut, dann spielen wir es eben jetzt.“

Das war aber schon der einzige „Holperer“ an einem ansonsten wirklich perfekten Konzertabend. Entsprechend wurden EVELINE nach der letzten Zugabe von ihren Fans gefeiert. Die Vier ließen es sich natürlich auch nicht nehmen, diesen Augenblick fotografisch festzuhalten. Wo andere sich aber auf der Bühne vor Fanhintergrund posierend ablichten lassen, nahmen Lisa, Jan, Henk und Lukas wirklich ein Bad in der Menge – naja, zumindest in den ersten Reihen.

Eveline 4Wenn man dem Abend unbedingt einen Fehler bescheinigen möchte, dann vielleicht den, dass 60 Minuten einfach viel zu kurz sind. Lisa stellte im Gespräch nach dem Auftritt aber sofort Abhilfe in Aussicht und versprach: „Mehr haben wir bis heute einfach nicht geschafft. Das nächste Konzert wird eine halbe Stunde länger.“ Die Frage nach einem vollständigen Album ließ sie aber zunächst offen. „Nach der EP sind wir erst einmal pleite“, lachte sie. „Wenn wir ein Label finden, machen wir gerne ein Album. Im Moment suchen wir aber erst einmal verstärkt nach einer Booking-Agentur, weil wir wirklich gern auf Deutschlandtour gehen möchten.“

Eveline 15Bei der Suche nach beidem kann man der Band nur alles Gute wünschen, verdient hätte sie es in jedem Fall, denn EVELINE überzeugen nicht nur mit ihrer Debüt-EP sondern auch live auf ganzer Linie. Damit sind sie schon jetzt mein Favorit für die Neuentdeckung des Jahres.

 

Setlist:

1. Alright
2. Simple
3. Stolen Paradise
4. Chances
5. Time
6. Lisa
7. Out Of My Mind
8. Flow
9. Scared
10. Thunder

11. Talk Is Cheap
12. Cliff

 

 



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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