Die Weisse Lilie – Staffel 1: „Tödliche Stille“ (Hörspiel-Review)

 

Die weisse Lilie - Tödliche Stille - Kapitel 1 - Cover„Die Weisse Lilie – Tödliche Stille“ ist eine Mischung aus Thriller und Politkrimi, abgerundet mit einer Prise Verschwörung, und wird als „spektakuläres Werk“ in allen Bereichen in höchsten Tönen gelobt. „Dramatische Story“, „großartig besetzte Sprecher“, „perfektes Sounddesign“ und „kongenialer Score“ sind nur einige der Beschreibungen, die in der Ankündigung zu lesen sind. Inwieweit diese zutreffen, lesen Sie hier…

Das Erstlingswerk der beiden Produzenten Timo Kinzel und Benjamin Oechsle wurde bereits 2015 von Lily Sound im Eigenvertrieb als Download veröffentlicht. Dabei hat die Hörspielserie durch ihr Design einen so guten Eindruck gemacht, dass die Reihe nun vom Label Folgenreich erneut als Download und seit Oktober auch als CD-Box erhältlich ist.

Zur Handlung: Diese beginnt im Osten der Demokratischen Republik Kongo, etwa zur Zeit des Dritten Kongokrieges. Der Auftragskiller Daniel Porter wird mit der Liquidierung des Warlords Emmanuel Besongua beauftragt, stellt jedoch schnell fest, dass dieser Auftrag nicht so glatt verläuft wie er es geplant hatte. Verschiedene, noch unbekannte Kräfte versuchen, ihn an der Ausführung der Tat zu hindern und machen ihn selbst zum Gejagten.

Parallel dazu ermittelt in Boston der heruntergekommene Detective Henry Miles zusammen mit seinem neuen Partner Samuel Haden in einem Mordfall, der anscheinend in irgendeiner Beziehung zu den Ereignissen im Kongo steht.

Die ersten drei Kapitel von „Tödliche Stille“ punkten an erster Stelle vor allem durch das Sounddesign. Das Hörspiel ist auf das Hören mit Kopfhörern optimiert und man sollte dieser Empfehlung definitiv Folge leisten. Die Geräusche sind bis ins kleinste Detail den Szenen angepasst und man hat tatsächlich den Eindruck, als befände man sich im afrikanischen Dschungel oder in der Bostoner Innenstadt zur Rushhour. Die Authentizität der Geräusche lässt einen so tief in die Geschichte eintauchen, dass man sogar, wie in meinem Fall, nach nicht vorhandenen Fliegen schlägt! Auch die eigens für die Reihe produzierte Musik trägt maßgeblich zur Atmosphäre bei. Ruhige Klavierklänge, zum Teil durch Streicher unterstützt, sorgen für eine düstere Stimmung und setzen einen deutlichen Kontrast zu den rasanten und teils gewalttätigen Szenen. Ein stilistisches Mittel, welches für die entsprechende Dramatik sorgt und dem Hörer etwas Zeit zum Durchatmen gibt, wie man es in gleicher Manier zum Beispiel von den „Gabriel Burns“-Hörspielen kennt.

Die Geschichte selbst ist nun nicht die Neuerfindung des Hörspiels, da ist defintiv noch Luft nach oben. Das Thema „alter grantlerischer Cop bekommt neuen, jungen Partner“ ist weiß Gott im Krimigenre weit verbreitet, inklusive der Auflösung „junger Cop rettet altem Cop das Leben und die beiden raufen sich zusammen“. Ebenso ist die Jagd nach der Lösung eines Rätsels in etwa so angelegt, dass man jeden Moment mit dem Auftauchen von Justus Jonas rechnet. Die Serie soll insgesamt 30 Folgen umfassen, also genug Zeit, um die Geschichte zu entwickeln und vor allem den Charakteren ein wenig mehr Tiefe zu verleihen.

Die Sprecher sind durch und durch gut besetzt, auch wenn große Namen fehlen. Zu den bekanntesten zählen u.a. Mark Bremer als Erzähler, der aus den Peter Lundt Detektivgeschichten sowie als Station Voice beim NDR bekannt ist. Mit Holger Mahlich als Polizeichef Frank Monroe wähnt man sich als Fan der Drei Fragezeichen kurz im falschen Hörspiel. Sascha Rotermund, der erst gegen Ende der ersten Staffel als Lamar Johnson auftritt, ist vor allem als deutsche Synchronstimme von Benedict Cumberbatch  und in diversen Rollen bei den Drei Fragezeichen bekannt. Die Sprecher der beiden Hauptfiguren, Martin Sabel und Stephan Benson, sind in diversen Hörspielen und Hörbüchern zu hören.  Jan-David Rönfeldt, der als Waffenschieber „Safi“ in Kapitel Zwei mit Daniel Porter zusammenarbeitet, ist ebenfalls ein fleißiger Gastsprecher in verschiedenen Serien wie z.B. Point Whitmark, John Sinclair und Darkside Park.

Ein kurzer Vermerk zur Altersfreigabe: ab 12 Jahren ist hier vielleicht nicht ganz angebracht. Meines Erachtens ist dies definitiv ein Hörspiel für Erwachsene, da die ein oder andere Szene doch sehr brutal und durch den hervorragenden Sound auch sehr realistisch dargestellt ist.

Abschließend bleibt zu sagen, wirklich „perfektes Sounddesign“, gute Sprecher, solide Story, aber der ein oder andere Superlativ weniger in der Vorankündigung hätte es auch getan.

(Gastreview von Barbara Köhler)

 

Erzähler                   Mark Bremer
Daniel Porter          Martin Sabel
Henry Miles            Stephan Benson
Samuel Haden        Timo Kinzel
Frank Monroe        Holger Mahlich

sowie Michael Ojake, Sven Matthias, Johannes Semm, Clemens Gerhard, Sonja Szylowicki, Jan David Rönfeldt, Dela Dabulamanzi, Sascha Rotermund, Ulrike Johannson u.v.m.

Ein Hörspiel von Benjamin Oechsle und Timo Kinzel
Produktion: Folgenreich/ Universal Music Family Entertainment
Regie: Benjamin Oechsle & Timo Kinzel
Sounddesign: Benjamin Oechsle
Musik: Jochen Mader & Johannes Arzberger

Spieldauer: ca. 135 Minuten
Empfohlen ab 12 Jahren



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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