Das Ende einer Hörspiel-Ära: Mark Brandis – „Der Pandora-Zwischenfall“

Mark Brandis 32: Der Pandora-Zwischenfall

Nikolai von Michalewskys „Weltraumpartisanen“ – Romane rund um den früheren VEGA-Commander und späteren Raumnotretter Mark Brandis begeisterten in den 70er und 80er Jahren viele Science-Fiction-Fans. Ab 2007 wurden die Abenteuer von Mark Brandis auch als Hörspiele vertont, die ebenfalls eine treue Anhängerschaft fanden Mit der 32. und letzten Episode „Der Pandora-Zwischenfall“ geht die Hörspielserie nun zuende.

Verantwortlich für die akustische Umsetzung der Stories war bis zuletzt die Produktionsfirma Interplanar, die Michalewskys Zukunftswelt zunächst zusammen mit dem Label Steinbach sprechende Bücher, ab Folge 4 dann mit dem Universal-Hörspiellabel Folgenreich überzeugend zum Leben erweckte. Im Lauf der Jahre konnte die Serie zahlreiche nahmhafte Preise abräumen, darunter den „Ohrkanus“ 2010 für Bestes Sounddesign und beim Hörspiel-Award 2009 den Kritiker-Preis in Gold in den Kategorien „Beste Serienfolge (Erwachsene)” und „Bester Hörspiel-Musiker“. Neben dem Stamm-Studio, der Hamburger Tonsynchron war später auch das Hörspielstudio XBerg des Berliner Hörspieltitanen Oliver Rohrbeck (Die drei ???) an den Aufnahmen beteiligt und Rohrbeck übernahm in einigen Folgen sogar eine Gastrolle. Doch nicht nur er, sondern auch viele andere bekannte Stimmen waren in den vergangenen neun Jahren in der Serie zu hören.

Allen voran zu nennen ist hier natürlich der Sprecher von Mark Brandis selbst: Michael Lott ist unter anderem als Station Voice von Sat1, als Synchronsprecher von Michael Chiklis (Das Ding / Fantastic Four), James Nesbitt (Zwerg Bofur / Der Hobbit) oder Kad Merad (Willkommen bei den Sch’tis) im Ohr. Ebenfalls zur Stammbesatzung gehörten die deutschen Stimmen von Angelina Jolie (Claudia Urbschat-Mingues), Johnny Depp (David Nathan) und Nicolas Cage (Martin Keßler). Eine Auflistung aller bekannten Synchronsprecher bei Mark Brandis gibt es hier.

Doch nicht nur das ausgezeichnete Sounddesign, die Musik und die namhaften Sprecher machten die Qualität der Serie aus: Bereits die Romane (man beachte deren Entstehungszeit!) griffen immer wieder aktuelle Probleme und Fragen auf: Rassismus, Medienpropaganda, die Gefahren der atomaren Endlagerung oder, wie zu Beginn nun auch am Schluß, die Ethik und die Risiken der Gentechnik.

2137: Auf dem Jupitermond Kallisto haben Republiken und Union gemeinsam einen langlebigen und hochintelligenten Kunstmenschentyp entwickelt. Zwei Dutzend dieser »Astraliden« bereiten sich auf eine Expedition hinaus aus unserem Sonnensystem zu fernen Planeten vor. Als es zu Todesfällen in der Station Pandora auf Kallisto kommt, droht das Projekt zu scheitern. Mark Brandis soll nun die Leiterin der Station ablösen. Er überredet seine Frau Ruth O’Hara, Dr. Levy und seinen alten Gefährten Iwan Stroganow, ihn zu begleiten. Doch dann wird Pandora angegriffen …

Wie bereits der Blick auf den Klappentext von Folge 32 zeigt, weicht die Serie nun ausgerechnet beim Finale ein wenig von ihrer gewohnten Linie ab. So standen bei den Geschichten meist weniger Technik und Action als vielmehr die menschliche Komponente im Vordergrund. Gerade die Hörspiele betonten die emotionale Seite nocheinmal mehr als schon die Romane. „Der Pandora-Zwischenfall“ jedoch wirkt, zumindest im zweiten Teil , wie eine Mischung aus Action-Movie und Kriminalfall. Obwohl dieser durchaus spannend und unterhaltsam ist, hat man ein wenig das Gefühl, hier sei einiges verschenkt worden, gerade was das kitzelige Thema der Züchtung eines neuen Menschentyps angeht. An Höhepunkte wie „Aktenzeichen: Illegal“ oder „Operation Sonnenfracht“ reicht die finale Episode damit leider nicht ganz heran.

Doch auch mit einer eher durchschnittlichen Folge liegt das Niveau von Mark Brandis noch höher als bei manch anderen Serien. Schön ist, dass Brandis Frau Ruth O’Hara, deren Rolle sich in den meisten Geschichten darauf beschränkte, zuhause auf ihren raumfahrenden Gatten zu warten, in dieser Geschichte nocheinmal deutlich mehr Raum bekommt. Die Dialoge zwischen ihr und Brandis machen wirklich Spaß und lassen einmal mehr die besondere Chemie zwischen den beiden Sprechern spüren, die auch im wirklichen Leben miteinander verheiratet sind. Auch das abschließende Wiedersehen (bzw. -hören) mit lange lieb gewonnenen Charakteren wie Iwan Stroganoff oder Rebecca Levy und kleine Gags wie die Interviewstimmen zu Mark Brandis oder dass man erfährt, wem das in den vergangenen Folgen stets präsente Bordsystem CORA seine Stimme verdankt, werden vor allem den langjährigen Fans Freude bereiten.

Insgesamt ist das Ende der Serie also durchaus würdig geraten und bei der Schlußmusik muss man sich dann beinahe eine Träne verdrücken, dass es nun keine neuen Missionen mit Mark Brandis und seiner Crew mehr geben wird. Wer würde nicht gerne weiterhin mit ihm durchs Sonnensystem oder sogar, wie das offen gehaltene Ende andeutet, zu fernen Sternen reisen?

Tipp: Zum Trost für alle, die nicht genug von Mark Brandis bekommen können, gibt es seit letztem Jahr die neue Serie „Mark Brandis: Raumkadett“, die von den Jugendabenteuern des Helden auf der Raumakademie berichtet.

 

Cast:

Dr. Rebecca Levy: Claudia Urbschat-Mingues
Mark Brandis: Michael Lott
Ruth O‘Hara: Dorothea Lott
Prolog: Wolf Frass
Col. Frederic Young: Erich Räuker
Lt. Iwan Stroganow: Martin Wehrmann
Dr. Egon Mildrich: Rüdiger Evers
Tschou Fang-Wu: Fang Yu
M6: Mélanie Fouché
M3: Daniel Claus
Ninni Persbrandt: Mira Christine Mühlenhof
Prof. Arved Jago: Hans-Eckart Eckhardt
Dr. Julius Benzinger: Arne Stephan
M11: Philipp Zieschang
John Harris: Gerhart Hinze
Gerlinde Tuborg: Anja Welzel

sowie  Andreas Berberich, Julius Biebricher, Christina Grobler, Bjoern Korf, Stan Lueder, Christine Pollack, Stefanie Preik, Oliver Pschorn, Dennis Recht, Frank Schirlitz, Harald Schnürer, Godula Thiemann und Christoph Ziegltrum

 

Credits:

Nach Motiven des Romans “Der Pandora-Zwischenfall“ von Nikolai v. Michalewsky
Manuskript: Balthasar von Weymarn
Sounddesign & Musik: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Sven-Michael Bluhm und Tommi Schneefuß
Wortschnitt: Tommi Schneefuß
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss
Layout/ Satz: Jürgen Straub
Product Management: dp

Gesamtspielzeit: ca. 79 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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