{"id":5922,"date":"2013-01-15T14:14:56","date_gmt":"2013-01-15T13:14:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/?p=5922"},"modified":"2015-06-29T14:33:45","modified_gmt":"2015-06-29T12:33:45","slug":"daniel-kahn-the-painted-bird-e-werk-erlangen-konzertbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/gesehen\/musik-live\/daniel-kahn-the-painted-bird-e-werk-erlangen-konzertbericht\/","title":{"rendered":"Daniel Kahn &#038; The Painted Bird &#8211; E-Werk, Erlangen (Konzertbericht)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/132638198@N02\/19090725286\/in\/album-72157654594794949\/\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/farm4.staticflickr.com\/3839\/19090725286_85e14660b8_z.jpg\" alt=\"Daniel Kahn\" width=\"640\" height=\"425\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kein Platz f\u00fcr Schubladendenken: Bei <a href=\"http:\/\/www.paintedbird.de\/\" target=\"_blank\">DANIEL KAHN &amp; THE PAINTED BIRD<\/a> trifft Klezmer auf Folk, Punk und Singer-Songwritertum. Mit ihrer erfrischenden Mischung aus selbstgeschriebene Lieder, traditionellem Material und einf\u00fchlsamen, teil eigenwilligen Coverst\u00fccken im Gep\u00e4ck waren sie im Erlanger E-Werk zu Gast, wo sie ihr im Dezember erschienenes Album &#8222;Bad old Songs&#8220; vorstellten.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein paar Minuten nach neun kamen die vier Musiker auf die B\u00fchne um sofort loszulegen. &#8222;Wir sind <a href=\"http:\/\/www.paintedbird.de\/\" target=\"_blank\">THE PAINTED BIRD<\/a> und ich bin Daniel&#8220;, stellte der S\u00e4nger und Multiinstrumentalist sich und seine Mitmusiker vor dem zweiten St\u00fcck vor. &#8222;Wir sind aus Berlin und er ist aus New York&#8220;, erkl\u00e4rte er und deutete auf den Geiger. Da die Band in der Hauptstadt zu Hause ist, lag es nahe, auch \u00fcber die dortigen Menschen zu singen. So handelte das zweite Lied von einem &#8222;Meydl from Berlin&#8220; und stammte vom aktuellen Album, das den klaren Schwerpunkt des Abends bildete. &#8222;Ich habe euch gesagt, dass es etwas b\u00f6se ist&#8220;, kommentierte der S\u00e4nger augenzwinkernd die ungl\u00fcckliche Liebe des Protagonisten zu der Berlinerin und dessen radikale Schlussfolgerung. Das n\u00e4chste Lied spielte zwar immer noch in der Hauptstadt, war aber deutlich weniger bitter als vielmehr bitters\u00fc\u00df. &#8222;Es ist einfach nur sch\u00f6n&#8220;, k\u00fcndigte Daniel Kahn eins der absoluten Highlights der neuen CD an und griff zum Akkordeon. Der Walzer erinnerte an die &#8222;Good old, Bad old Days&#8220;, als die Welt noch vom Eisernen Vorhang geteilt wurde. Das St\u00fcck profitierte, wie der ganze Abend, vom sauberen Sound und dem hervorragenden Zusammenspiel zwischen den Musikern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anschlie\u00dfend war es Zeit f\u00fcr etwas \u00e4lteres Material. &#8222;Avreml the Filcher&#8220; vom 2011 erschienene Album &#8222;Lost Causes&#8220; erz\u00e4hlte von einen &#8222;guten Taschendieb, der nur von den Reichen klaut&#8220;. Zum ersten Mal an diesem Abend nahm der Frontmann daf\u00fcr am Klavier platz, bis er mitten im St\u00fcck aufstand und sich wieder sein Akkordeon schnappte. Der Song groovte, die meisten Zuschauer waren inzwischen n\u00e4her an die B\u00fchne heranger\u00fcckt, wippten im Takt mit und lie\u00dfen sich sp\u00e4ter auch durch schwungvolle, lange Instrumentalparts zum Tanzen bringen. Wie bei vielen der Liedern wechselten die Texte hier flie\u00dfend zwischen zwischen Englisch und Jiddisch, auch bei den Ansagen wendete sich Daniel Kahn teils in Englisch und teils in Deutsch ans Publikum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas sp\u00e4ter blieb der Frontmann allein mit einer Mini-Drehorgel auf der B\u00fchne zur\u00fcck. Er hielt das Instrument nah ans Mikrofon, begann zu kurbeln, tauschte kurz darauf das Instrument aus und stimmte die n\u00e4chste Melodie an. Sie schien im Publikum bekannt zu sein und nach Aufforderung sang ein Gro\u00dfteil der Zuschauer erst ein wenig z\u00f6gernd, dann deutlich sicherer den deutschen Refrain von &#8222;Die Internationale&#8220;, einem urspr\u00fcnglich franz\u00f6sischen Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung. Als der Gesang verklungen war tauschte Daniel Kahn abermals die Drehorgel und kam zu dem St\u00fcck, das er eigentlich spielen wollte. &#8222;So, dieses alte Nazilied&#8230;&#8220;, begann er und berichtigte sich sofort: &#8222;Es ist eigentlich kein Nazilied, es ist vom ersten Weltkrieg. Aber dann haben die Alliierten das Lied befreit und in viele Sprachen \u00fcbersetzt. Aber nicht in Jiddisch.&#8220; Das haben nun <a href=\"http:\/\/www.paintedbird.de\/\" target=\"_blank\">THE PAINTED BIRD<\/a> ge\u00e4ndert und das &#8222;Lili Marleyn&#8220;-Sortiment um eine weitere Version bereichert. Im Gegensatz zum vorigen Versuch klappte das Mitsingen hier nicht und die Szene mit der ungew\u00f6hnlichen Gesangsbegleitung sorgte zwar f\u00fcr am\u00fcsierte Blicke, aber nicht f\u00fcr vollendete Begeisterung. Das merkte auch der K\u00fcnstler. &#8222;Ich will etwas anderes f\u00fcr euch spielen&#8220;. So ging es zur\u00fcck zu einem der &#8222;B\u00f6sen alten Liedern&#8220;, das die Band erst zum zweiten Mal im Liveprogramm hatte. &#8222;Ich habe das nur ein mal live gespielt auf Klavier&#8230; and it sucked!&#8220;, erkl\u00e4rte Daniel Kahn. Er wagte sich trotzdem an eine erneute Umsetzung, die auf Orgel und Gitarre verzichtete und das Klavier reichte auch vollkommen. Beim Spielen drehte sich der Musiker zum Publikum um, um auch hier nicht den Blickkontakt zu verlieren. Das St\u00fcck wusste zu gefallen und am Ende wirkte lediglich der Musiker nicht v\u00f6llig damit zufrieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Hey, could you guys rescue me?&#8220;, rief Daniel den Rest der Band zur\u00fcck auf die B\u00fchne. Gemeinsam pr\u00e4sentierten sie ein altes St\u00fcck von Franz Josef Degenhardt, nun wieder mit Gitarre und Mundharmonika. &#8222;Er stellt eine sehr deutsche Frage an die Deutschen, als Deutscher. Ich kann das nicht. Ich stelle die Frage auf Jiddisch und Englisch.&#8220; Die Frage nach dem Verbleib der traditionellen deutschen Folkliedern hat sich wohl der ein oder ander auch selbst schon gestellt. Einige hatten es sich w\u00e4hrend der bed\u00e4chtigen Kl\u00e4ngen vor der B\u00fchne auf dem Boden bequem gemacht, dazu passten anschlie\u00dfend die melancholische T\u00f6ne des &#8222;G\u00f6rlitzer Park&#8220;. Auch die alten Meister durften an diesem Abend nicht fehlen: Mit ausdrucksstarker Mimik und intensivem Tonfall trug Daniel Kahn die &#8222;Story of Isaac&#8220; des Kanadiers Leonhard Cohen vor, bevor die Band noch einmal vorgestellt wurde. Anschlie\u00dfend wurde das Tempo bei &#8222;Men of Plenty&#8220; wieder flotter und brachte sofort Bewegung ins Publikum. Nahtlos ging es danach mit &#8222;Yosl Ber&#8220; vom Album &#8222;Partisans &amp; Parasites&#8220; weiter \u2013 auch hier nahm der S\u00e4nger im Refrain ein Megaphon zur Hand. Ein gro\u00dfartiger Abschluss f\u00fcr den Hauptteil des Abends!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch ganz zu Ende war das Konzert noch nicht und nach anhaltendem Applaus kehrte die Band auf die B\u00fchne zur\u00fcck. &#8222;There&#8217;s this other band we really like and we wanted to bring them to town but they couldn&#8217;t make it&#8220;, verk\u00fcndeten sie und erkl\u00e4rten, dass sie zum Ersatz ein Lied von ihnen spielen wollten. &#8222;This is an old song about Wall Street. This song is very famous where I come from&#8220;. Im traditionellen j\u00fcdischen Folksong &#8222;Vander ich mir lustig&#8220; berichteten sie daraufhin von einem Mann, der sein ganzes Geld an der B\u00f6rse verliert und letztendlich ohne Geld, M\u00fchle, Kuh und Frau darsteht \u2013 und sein Leben trotzdem oder gerade deswegen genie\u00dft. &#8222;This is the best song ever written!&#8220;, k\u00fcndigten die Musiker ihr letztes Lied an, nahmen aber das vorige Lied aus, da es als Volkslied nicht wirklich geschrieben, sondern eben vom Volk geschaffen wurde. Das n\u00e4chste sei hingegen von Dionysis Savvopoulos komponiert. &#8222;Kennt den jemand?&#8220;, erkundigte sich die Band, doch sagte der Name kaum jemanden etwas. &#8222;Das hab ich schon mal getrunken!&#8220;, kommentierte einer der Zuh\u00f6rer den ungewohnten Namen. Also war eine Erkl\u00e4rung f\u00e4llig. &#8222;Er ist der griechische Bob Dylan. Ich kann kein Griechisch, aber ich habe das Wort f\u00fcr Wort \u00fcbersetzt.&#8220; Herausgekommen ist dabei ein reichlich surrealer wirkender Text, der ganz gut zu der Erkl\u00e4rung des Liedtitels passte, der an dieser Stelle geliefert wurde: &#8222;Auf Griechisch hei\u00dft Olaria Olara auch&#8230; gar nichts.&#8220; Dann war es am Publikum, aktiv zu werden und die bedeutsamen Worte mitzusingen \u2013 und obwohl sich die Anwesenden den Abend nicht allzu singfreudig gezeigt hatten, klappte es dieses Mal das gesamte Lied \u00fcber. &#8222;Ihr seid ein Chor!&#8220;, verk\u00fcndete Daniel, eine Spur \u00dcberraschung in der Stimme. Nach dem Song verlie\u00df die Band zum zweiten Mal die B\u00fchne, doch der Jubel hielt so lange an, bis die Musiker tats\u00e4chlich noch ein allerletztes Lied spielten. Dabei sollte auch der Geiger einmal eine Stophe allein singen, was innerhalb der Band f\u00fcr Am\u00fcsement und allgemein f\u00fcr gute Laune sorgte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.paintedbird.de\/\" target=\"_blank\">DANIEL KAHN &amp; THE PAINTED BIRD<\/a> gestalteten einen vielseitigen Abend, der mal zum nachdenken und schmunzeln, dann zum zuh\u00f6ren und zum tanzen brachte. Die Lieder waren mal bitterb\u00f6se, mal ironisch, mal ernst \u2013 aber immer unterhaltsam. Eine Mischung, die man nur w\u00e4rmstens empfehlen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kein Platz f\u00fcr Schubladendenken: Bei DANIEL KAHN &amp; THE PAINTED BIRD trifft Klezmer auf Folk, Punk und Singer-Songwritertum. 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