{"id":5912,"date":"2013-09-24T14:05:16","date_gmt":"2013-09-24T12:05:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/?p=5912"},"modified":"2015-06-29T14:04:13","modified_gmt":"2015-06-29T12:04:13","slug":"danjal-struwwelpeter-kronach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/gesehen\/musik-live\/danjal-struwwelpeter-kronach\/","title":{"rendered":"D\u00e1njal &#8211; Struwwelpeter, Kronach (Konzertbericht)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/132638198@N02\/19116770265\/in\/album-72157654596435220\/\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/farm1.staticflickr.com\/381\/19116770265_6dba63b59d_z.jpg\" alt=\"Danjal\" width=\"640\" height=\"425\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eWe&#8217;re like schoolboys living closest to school and always come late\u201c, entschuldigte sich Frontmann D\u00e1njal \u00e1 Neystab\u00f8, als er gemeinsam mit seinen beiden Mitmusikern am vorangeschritten Montagabend die B\u00fchne im Jugend- und Kulturtreff Struwwelpeter betrat. Bereits seit drei Tagen waren D\u00e1njal und sein Kollege, der Finne Kim Nyberg, vor Ort um neue St\u00fccke zu komponieren, trotzdem hatte sich der Soundcheck eine ganze Weile verz\u00f6gert. Eingelebt hatten sich die beiden aber schon: Nach der ganzen Zeit auf der kleinen Dachbodenb\u00fchne kam es ihnen geradezu vor, als ob sie die Besucher in ihrem Wohnzimmer willkommen hei\u00dfen w\u00fcrden. Ein Eindruck, der auch dadurch verst\u00e4rkt wurde, dass Kim barfu\u00df und D\u00e1njal lediglich mit Socken auf der niedrigen B\u00fchne stand.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Bereits zum zweiten Mal waren die Artrocker, deren Frontmann von den F\u00e4r\u00f6er Inseln stammt, in Kronach zu Besuch. Ihr Gastspiel stellte den letzten Beitrag zur diesj\u00e4hrigen Culturcaf\u00e9-Reihe dar, bei der die Gastgeber ganz besonderen Wert auf die Qualit\u00e4t der eingeladenen Bands legen. Das wusste auch das Publikum zu sch\u00e4tzen, das die ganze Show \u00fcber au\u00dfergew\u00f6hnlich aufmerksam zuh\u00f6rte. Viele von ihnen hatten <a href=\"http:\/\/danjal.net\/\" target=\"_blank\">D\u00c1NJAL<\/a> bereits im Vorjahr gesehen oder auch andere Konzerte der Veranstaltungsreihe besucht, und als die ersten vorsichtigen, beinahe scheu hintereinander gesetzten T\u00f6nen erklangen waren beinahe alle St\u00fchle besetzt. Schon Momente sp\u00e4ter haute D\u00e1njal voll in die Tasten, schien sich in der Musik zu verlieren. Die Musikmischung, die die Band an diesem Abend mit e-Piano, Klarinette, Mandoline und vor allem viel Leidenschaft auf die B\u00fchne brachte, war au\u00dfergew\u00f6hnlich. Vertr\u00e4umten Folkkl\u00e4nge wechselten sich mit flotten Jazzpassagen ab, auch Balkanmelodien z\u00e4hlten zu den Einfl\u00fcssen der Truppe, die ungef\u00e4hr seit 2008 gemeinsam musiziert. Gew\u00fcrzt wurde das Ganze zus\u00e4tzlich mit einer geh\u00f6rigen Prise Klezmer. Was \u00fcber weitere Strecken recht experimentell klang erreichte zwischendurch immer wieder vertraute Gefilde und nahm sp\u00e4testens dann auch die Zuh\u00f6rer wieder mit auf die weitere Reise, die zwischendurch den Anschluss verpasst hatten \u2013 doch von denen gab es an diesem Abend in Kronach ohnehin nur wenige.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das Tempo steigerte sich rasant bis zu \u201eBlow the Bubble\u201c, dem Titelsong des aktuellen Albums, das von Thomas S. Eliots Gedicht \u201eDeath by Water\u201c inspiriert wurde. D\u00e1njal fasste die Grundgeschichte der Scheibe zusammen und erz\u00e4hlte von einem Jungen, der sein ganzes Leben lang an einem Fluss entlang l\u00e4uft und als er schlie\u00dflich ans Meer kommt von der schieren Endlosigkeit \u00fcberw\u00e4ltigt ist. Die Atmosph\u00e4re, die <a href=\"http:\/\/danjal.net\/\" target=\"_blank\">D\u00c1NJAL<\/a> in \u201eThe River\u201c kreierte war beeindruckend dicht. \u00dcberhaupt erzielte die Band schon mit kleinen Gesten gro\u00dfe Wirkung. W\u00e4hrend ihre Lieder streckenweise sehr minimalistisch gehalten waren tobten die Melodien an anderer Stelle ausgelassen umher. Zu den ruhigeren Liedern geh\u00f6rte das noch nicht ver\u00f6ffentlichte \u201eBeth\u201c, das D\u00e1njal nach dem Tod der Gro\u00dfmutter f\u00fcr seinen Gro\u00dfvater komponiert hatte. \u201eMan verliert einen Teil von sich selbst, wenn man einen Menschen verliert, mit dem man so lange zusammen war\u201c, meinte der S\u00e4nger und begann das St\u00fcck ganz ohne Begleitung der Instrumente. Es war weniger die Stimme selbst, als die Intensit\u00e4t, die der S\u00e4nger in seine Worte legte, die es zu etwas Besonderem machte.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Schon im n\u00e4chsten Song wurde die bedr\u00fcckende Stimmung wieder aufgelockert. \u201eI actually played it wrong\u201c, merkte D\u00e1njal am Ende an und bezog sich damit gerade auf einer Stelle, auf die der K\u00fcnstler eigentlich sehr stolz ist. Selbst schmunzelnd spielte er die Melodie dem am\u00fcsierten Publikum darauf hin noch einmal richtig vor. H\u00e4ufig blitzte im Laufe des Abends der eigenwillige Humor der Band durch und lie\u00df die Musiker erst recht durch und durch authentisch wirken. Klarinettistin Annika Jessen stieg vorne mit einem Bein auf die Monitorbox, D\u00e1njal wippte den Takt mit dem Fu\u00df mit \u2013 auch das Publikum stampft mit den F\u00fc\u00dfen \u2013 und richtete das Mikrofon zu den Zuschauern, die das sich wiederholende \u201eGive me&#8230;\u201c solange mitsangen, bis der Frontmann den Song schlie\u00dflich mit einem finalen \u201e&#8230;a break!\u201c beendete.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das erste St\u00fcck, dass die Zuh\u00f6rer nach der Pause wieder in die Welt von <a href=\"http:\/\/danjal.net\/\" target=\"_blank\">D\u00c1NJAL<\/a> lockte, wurde von Kim geschrieben, der eher im Folkbereich zuhause ist. \u201eAlso schlie\u00dft einfach eure Augen\u201c, bat der Mann an der Mandoline, bevor er ein Haus im tiefsten Sommerwald in Finnland beschrieb und das staubige Fenster, durch das man nach drau\u00dfen schaut, w\u00e4hrend Staubpartikel durch die Luft wirbeln. \u201eJetzt hast du zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder kannst du wie verr\u00fcckt anfangen staubzusaugen, oder du lehnst dich einfach zur\u00fcck\u201c. Das Lied entschied sich eindeutig f\u00fcr die zweite Alternative, \u00fcberhaupt war der Abends \u00fcber weite Strecken eher den ruhigen T\u00f6nen gewidmet. Das spielerische \u201eWith you\u201c lud wiederum zum tr\u00e4umen ein, die wabernde Soundstrukturen des Songs wurden mehrfach durch rhythmisch-t\u00e4nzerische Passagen aufgebrochen &#8211; gerade f\u00fcr diese Stellen ernteten <a href=\"http:\/\/danjal.net\/\" target=\"_blank\">D\u00c1NJAL<\/a> lauten Applaus.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Im sp\u00e4teren Verlauf wurde der Auftritt mit seinen kabarettistischen Z\u00fcgen schlie\u00dflich ebenso flippig wie die abwechslungsreiche Show beim letztj\u00e4hrigen \u201eColours of Ostrava\u201c, wo die Band in ihrer voller Besetzung mit sieben Musikern auftrat. In Kronach kam sie dagegen ganz ohne Rhythmusfraktion aus \u2013 wenn doch einmal mehr Takt gebraucht wurde sprang kurzerhand das Publikum ein: \u201eEs w\u00e4re sch\u00f6n, wenn ihr einen Schlagzeuger nachmachen k\u00f6nntet!\u201c. Flei\u00dfig geklatscht und auf den Boden gestampft wurde auch bei \u201eThe Enemy\u201c, das stellvertretend f\u00fcr die sozialkritischen Lieder stand, die auf dem Deb\u00fctalbum \u201eThe Palace\u201c zu h\u00f6ren sind. Kim gab den Takt vor, w\u00e4hrend D\u00e1njal mal stehend und mal vor dem Klavier kniend weiter musizierte. Mitten im St\u00fcck erinnerte der Frontmann das Publikum an die Lieder, die die Band in den letzten Tagen geschrieben hatte. \u201eIch habe gemerkt, dass Kim gerade angefangen hat, eins davon zu spielen. Schauen wir mal, ob ich mich an den Text erinnern kann\u201c, verk\u00fcndete er und begann eine Weile von einem M\u00e4dchen namens Rosemary zu singen bevor sie mit einem schulterzuckenden \u201eIrgendsowas!\u201c abbrachen und lieber die vorher gespielte Melodie wieder aufgriffen. Nach \u201eThe Big Wheel Keeper\u201c ging der lebhafte Abend in vertraulichem kleinen Rahmen mit einem letzten Zugabest\u00fcck zu Ende, das noch einmal von allen mitgesungen wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWe&#8217;re like schoolboys living closest to school and always come late\u201c, entschuldigte sich Frontmann D\u00e1njal \u00e1 Neystab\u00f8, als er gemeinsam mit seinen beiden Mitmusikern am vorangeschritten Montagabend die B\u00fchne im Jugend- und Kulturtreff Struwwelpeter betrat. 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