{"id":5908,"date":"2012-05-03T14:00:41","date_gmt":"2012-05-03T12:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/?p=5908"},"modified":"2015-06-29T14:32:11","modified_gmt":"2015-06-29T12:32:11","slug":"soap-skin-tafelhalle-nuernberg-konzertbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/gesehen\/musik-live\/soap-skin-tafelhalle-nuernberg-konzertbericht\/","title":{"rendered":"Soap &#038; Skin &#8211; Tafelhalle, N\u00fcrnberg (Konzertbericht)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/132638198@N02\/18930260009\/in\/album-72157654596435220\/\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/farm4.staticflickr.com\/3745\/18930260009_5d7611834d_z.jpg\" alt=\"SoapSkin\" width=\"640\" height=\"425\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Relativ viele junge Zuh\u00f6rer waren am 03.05.2012 in die N\u00fcrnberger Tafelhalle gekommen, um f\u00fcr 1,5 Stunden der S\u00e4ngerin und Schauspielerin Anja Franziska Plaschg zu lauschen. Um kurz vor acht schob sich die Menge die zwei Treppen nach oben zum Konzertsaal, in dem es zuletzt kaum noch freie Pl\u00e4tze gab. W\u00e4hrend es noch hell war drang bereits leise Musik aus den Lautsprechern, behutsam wurde das Licht herunter gedimmt und mit der Helligkeit sank auch der Lautst\u00e4rkepegel. Schlie\u00dflich erf\u00fcllte Stille den Saal, nur hier und da war noch ein leises Fl\u00fcstern, Rascheln oder R\u00e4uspern zu vernehmen, bis auch das schlie\u00dflich verstummte. Lichtkegel flackerten auf und beleuchteten das Klavier und die Streichinstrumente, die an der hinteren Saalwand auf einem Podest erh\u00f6ht aufgebaut waren: zwei Geigen, zwei Celli und ein Kontrabass waren Teil des Ensembles, das aktuell mit der \u00d6sterreicherin auf Tour ist.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem weiten grauen Mantel, der ihr bis an die Knie ging, mit leicht verschlafenem Blick und gespenstisch wei\u00dfem Gesicht kam die junge Musikerin auf die B\u00fchne. Im Februar dieses Jahres erschien ihr neues Album \u201eNarrow\u201c als Nachfolger der 2009 ver\u00f6ffentlichten Platte \u201eLovetune for Vaccum\u201c und diese beiden Werke bildeten die Grundlage des ebenso stimmigen wie vielseitigen Abends. <a href=\"http:\/\/www.soapandskin.com\/\" target=\"_blank\">SOAP&amp;SKIN<\/a> verschmolz klassische und elektronische Elemente mit poppigeren Passagen und erschuf dabei ein melancholisches, eindringliches Gesamtgef\u00fcge. Nach dem beatbasierten ersten Song wechselte Anja Plaschg ans Klavier, auf dem ihr Laptop parat stand, so dass sie ihn w\u00e4hrend der Show rasch selbst bedienen konnte. Ihre Stimme klang in dem Lied eine Spur s\u00fc\u00dfer als im vorherigen, auch wenn sie ihre grunds\u00e4tzliche raue Note beibehielt. Der Gesang wirkte nicht anbiedernd weich und klar, sondern nat\u00fcrlich und spontan. Er wurde von einer Backgrounds\u00e4ngerin unterst\u00fctzt, die nur schwach beleuchtet hinten bei den anderen Musikern auf dem Podest stand. \u00dcberhaupt wurde der Saal kaum erleuchtet, der einzige wirklich helle Spot strahlte stets auf die S\u00e4ngerin hinab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sp\u00e4rliche Beleuchtung war sorgte f\u00fcr eine Reduzierung aufs Wesentliche, n\u00e4mlich auf den d\u00fcsteren Klangkosmos und die unheimlich starke Pr\u00e4senz der K\u00fcnstlerin. Nur selten warf diese einen rascher Blick zum Publikum, meist war sie v\u00f6llig in ihr Spiel vertieft und lie\u00df sich durch nichts dabei st\u00f6ren. Auch der B\u00fchnenaufbau war statisch und lenkte nicht ab. Als direkt minimalistisch l\u00e4sst sich die Inszenierung trotzdem nicht bezeichnen, war doch die Atmosph\u00e4re daf\u00fcr durchgehend viel zu dicht. <a href=\"http:\/\/www.soapandskin.com\/\" target=\"_blank\">SOAP&amp;SKIN<\/a> beherrschte die Kunst, mit wenigen Mitteln viel zu erzielen und immer wieder f\u00fcr G\u00e4nsehaut zu sorgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Lieder sp\u00e4ter war die komplette B\u00fchne abgedunkelt. Anja Plaschg stand alleine in der Mitte, aus dem Hintergrund wurde Musik eingespielt. Es klang gehetzt, der Takt gleich einem schnellen Schrittrhythmus \u2013 der Song w\u00e4re der perfekte Soundtrack f\u00fcr eine futuristische Verfolgungsjagd gewesen, deren Beteiligte schon etwas au\u00dfer Atem sind. Zum ersten Mal war die Musik direkt mitrei\u00dfend, statt den Zuh\u00f6rer vorsichtig zu packen und unmerklich mitzuziehen. Wieder endete das St\u00fcck sehr abrupt, bevor gleich anschlie\u00dfend f\u00fcr Kontrast gesorgt wurde. Schwer legten sich die vorsichtigen Klavierkl\u00e4nge des DESIRELESS-Coversongs \u201eVoyage, Voyage\u201c, f\u00fcr das die S\u00e4ngerin von Englisch zu Franz\u00f6sisch wechselte, \u00fcber den Raum. Nacheinander setzten die Streicher ein und bereicherten die melancholisch Musik mit ihren warmen Klangfarben. <a href=\"http:\/\/www.soapandskin.com\/\" target=\"_blank\">SOAP&amp;SKIN<\/a> ist Zuh\u00f6rmusik, die einfach auf die B\u00fchne geh\u00f6rt und rasch jegliche Distanz zum Publikum \u00fcberwand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr das d\u00fcster-morbide \u201eVater\u201c folgte ein weiterer Sprachwechsel hin zu Deutsch. Das St\u00fcck begann zur\u00fcckhaltender, steigerte sich dann bis zum verzweifelten Schreien. K\u00fcnstlerin ging anschie\u00dfend von der B\u00fchne und hinterlie\u00df abwartende Stille. Nur der feine Nebel stieg noch immer auf. Nach einigen langen Momenten kam Anna Plaschg zur\u00fcck an ihrem Platz am Klavier und begann wieder zu spielen, nur um nach einigen Takten wieder auszusetzen. Sie warf ein sch\u00fcchternes, entschuldigendes L\u00e4cheln hin zum Publikum, das sie immer noch mit keinem Wort angesprochen hatte und hielt sich die Hand vors Gesicht. Nach dem Neueinstieg entsponn sich eine sanfte, vertr\u00e4umte Melodie die beim n\u00e4chsten St\u00fcck von elektronischem Beat abgel\u00f6st wurde. Die S\u00e4ngerin trat wieder ans vordere Mikrofon, wiegte sich hin und her und riss dann beide Arme nach oben, bevor sie begann, weniger zu tanzen als sich vielmehr unkontrolliert zu bewegen. Zuckend lief sie durchs Stroboskoplicht, mal zum Publikum blickend und mal von ihm abgewandt und wirkte dabei ebenso rastlos, wie sich auch die Musik anh\u00f6rte. Als das Licht ausging und s\u00e4mtliche Musiker die B\u00fchne verlie\u00dfen dauerte es einem Moment bevor der leicht benommene Applaus einsetzte. Dieser wich ebenso wie die Pfiffe wieder Totenstille, sobald Anja Plaschg abermals am Klavier sa\u00df und, dieses Mal unbegleitet von ihrem Ensemble, ein zus\u00e4tzliches St\u00fcck spielte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Auftritt wirkte durch und durch authentisch und es schien, als ob die \u00f6sterreichische K\u00fcnstlerin das Publikum beinahe schmerzhaft nah an sich heranlassen w\u00fcrde. Sie legt unglaublich viele Emotionen in ihre Stimme und verk\u00f6rperte das Wechselbad der zwischen Trauer, Verzweifeln, Wut und Resignation pendelnden Gef\u00fchle absolut \u00fcberzeugend. Die Musik ging unter die Haut und profitierte vom klaren, angenehmen Sound in der Tonhalle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Merchandisestand gab es anschlie\u00dfend an die Veranstaltung nicht nur die Notenbl\u00e4tter f\u00fcrs Klavier und die Musik auf Vinyl zu verkaufen, sondern, ganz den d\u00fcstereren Thematiken entsprechend, sogar handgesch\u00f6pfte Schokolade mit Rotwein, Weihrauch, Kornblume und Blut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Relativ viele junge Zuh\u00f6rer waren am 03.05.2012 in die N\u00fcrnberger Tafelhalle gekommen, um f\u00fcr 1,5 Stunden der S\u00e4ngerin und Schauspielerin Anja Franziska Plaschg zu lauschen. 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