{"id":5906,"date":"2013-09-17T13:58:00","date_gmt":"2013-09-17T11:58:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/?p=5906"},"modified":"2015-06-25T15:15:10","modified_gmt":"2015-06-25T13:15:10","slug":"arstidir-myrra-ros-gudrid-hansdottir-e-werk-erlangen-konzertbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/gesehen\/musik-live\/arstidir-myrra-ros-gudrid-hansdottir-e-werk-erlangen-konzertbericht\/","title":{"rendered":"Arsti\u00f0ir, Myrra Ros, Gu\u00f0ri\u00f0 Hansdottir \u2013 E-Werk, Erlangen (Konzertbericht)"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\">Gemessen an der geringen Einwohnerzahl hat Island einen \u00fcberproportional hohen Anteil an Musikern. Zwar schaffen l\u00e4ngst nicht alle davon den Sprung aufs Festland, doch einige finden auch zunehmend in Deutschland Fans und Zuh\u00f6rer. Vergangene Woche war ein Abend im Erlanger E-Werk ganz den nordischen Kl\u00e4ngen gewidmet und zog so viele Zuschauer an, dass das Konzert kurzerhand vom Club in den Saal verlegt wurde.<!--more--><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ruhig und vertr\u00e4umt wurde der Abend von einer aus Reykjav\u00edk stammende Singer-Songwriterin eingel\u00e4utet. Allein mit ihrer Gitarre betrat <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/myrrarosmusic\" target=\"_blank\">MYRRA R\u00d3S \u00deRASTARD\u00d3TTIR <\/a>die B\u00fchne, gekleidet in dezentes Schwarz und mit ebenso schwarzem, etwas extravaganten Haarschmuck ausgestattet. Mit ausnehmend klarer Stimme sang sie ihre St\u00fccke teils in ihrer Muttersprache und teils in Englisch. Zun\u00e4chst wirkte die S\u00e4ngerin etwas zur\u00fcckhaltend, sie wurde aber im Verlauf des Auftritts lockerer und war vom hiesigen Publikum durchaus angetan. Die Sympathie beruhte offensichtlich auf Gegenseitigkeit, und so griffen die Zuschauer der K\u00fcnstlerin bei der richtigen Aussprache von \u201eNachtwolf\u201c \u2013 der \u00dcbersetzung von \u201eKveld\u00falfur\u201c, dem Titel ihres ersten Albums \u2013 spontan unter die Arme, als sie von den \u201eschaurigen Kreaturen, die in den isl\u00e4ndischen W\u00e4ldern leben\u201c erz\u00e4hlte. Nat\u00fcrlich sind ausgedehnte Waldfl\u00e4chen nicht unbedingt die erste Assoziation, die das Wort \u201eIsland\u201c heraufbeschw\u00f6rt. So r\u00e4umte auch <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/myrrarosmusic\" target=\"_blank\">MYRRA R\u00d3S<\/a> gleich darauf ein, dass es auf der Insel \u00fcberhaupt keine W\u00e4lder g\u00e4be: \u201eMan sagt, wenn du dich in den W\u00e4ldern von Island verl\u00e4ufst, steh einfach auf!\u201c. Nicht nur Fabelwesen, sondern auch weit mehr in der Realit\u00e4t verwurzelte Themen spielen in den St\u00fccken der S\u00e4ngerin eine Rolle. Nach einer Kostprobe vom bislang in Deutschland unver\u00f6ffentlichten \u201eInsomniac\u201c bekam <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/myrrarosmusic\" target=\"_blank\">MYRRA R\u00d3S<\/a> Unterst\u00fctzung von J\u00f3n El\u00edsson, Karl James Pestka und Hallgr\u00edmur J\u00f3nas Jensson. Ein Privileg, wie die sympathische K\u00fcnstlerin meinte, da \u201esie sie immer viel besser klingen lassen, als wenn sie allein ist\u201c. Tats\u00e4chlich stellten die drei eine wirkliche Bereicherung darf. Gemeinsam beschlossen sie ihren Auftritt mit \u201eVi\u00f0 og vi\u00f0\u201c, dem erstes Lied von \u201eKveld\u00falfur\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/gudridhansdottirmusic\" target=\"_blank\">GU<span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\">\u00d0<\/span>RI<span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\">\u00d0<\/span> HANSDOTTIR<\/a> beehrte die Metropolregion in diesem Jahr bereits zum dritten Mal \u2013 erst im Januar zog sie in der Tafelhalle in N\u00fcrnberg das Publikum in ihren Bann. Ein Kunstst\u00fcck, dass ihr im deutlich weniger intimen Rahmen des Erlanger e-Werks ebenfalls gelang. Ohne sich mit einer Ansage aufzuhalten legte sie los, kaum dass sie sich vor dem Mikrophon postiert hatte. Schon ihre Stimme wirkte weniger zerbrechlich und etwas rauchiger als die ihrer Vorg\u00e4ngerin, auch das Auftreten war deutlich sicherer. Begleitet wurde sie abermals von dem Schwabacher Gitarristen Frieder Graf, ansonsten hatte sich im Set einiges ge\u00e4ndert. Im Laufe des Abends spielte die S\u00e4ngerin einige Lieder, die erst kommenden Januar auf ihrem neuen Album ver\u00f6ffentlicht werden. Darunter werden abermals Gedichte des deutschen Romantikers Heinrich Heine in englischer \u00dcbersetzung sein, w\u00e4hrend es musikalisch tendenziell rockiger wird. Dieser Trend macht sich auch in der Umsetzung der \u00e4lteren St\u00fccke bemerkbar, die teilweise schneller als die CD-Version gespielt wurden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eWo ich herkomme haben wir viel Nebel\u201c, erkl\u00e4rte die K\u00fcnstlerin vor \u201eI Mjorka\u201c, in dem eben dieser Nebel besungen wird. Es ist das zweite St\u00fcck von \u201eBeyond the Grey\u201c, einem ausgesprochen treffend betitelten Album, gehen die St\u00fccke doch deutlich \u00fcber tristes grau hinaus und verbreiten eine zwar melancholische, aber warme Atmosph\u00e4re. \u201eIch spiele dieses wunderbare Omnichord. Wir brauchen heutzutage keinen Schlagzeuger mehr\u201c, bekundete die S\u00e4ngerin und machte damit wahr, was im Januar noch eher wie ein Scherz klang. Die reduzierte Besetzung lie\u00df weniger Raum f\u00fcr Interaktion, aber <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/gudridhansdottirmusic\" target=\"_blank\">GU<span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\">\u00d0RI\u00d0 HANSDOTTIR<\/span><\/a> und ihr Gitarrist scherzten munter herum und unterhielten das Publikum mit Gepl\u00e4nkel \u00fcber deutsches und f\u00e4r\u00f6er Bier. Wirkte sie hier noch ganz l\u00e4ssig \u00e4nderte sich das vor dem n\u00e4chsten St\u00fcck. \u201eIch bin jetzt wirklich aufgeregt\u201c, gab die K\u00fcnstlerin zu, bevor sie eines ihrer neuen Lieder zum allerersten Mal live vorstellte. Nach der rockigen Premiere stellte die Ballade \u201eA Faroese Fisherman speaks of Drowning\u201c einen starken Kontrast zum vorhergehenden Song dar. \u201eIch habe nur Spa\u00df gemacht, als ich gesagt habe, dass das ein f\u00e4r\u00f6er Liebeslied ist\u201c, verriet Gu\u00f0<span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\">ri\u00f0 <\/span>nach \u201eLiving with you is a lot like dying\u201c. Auf das n\u00e4chste Lied traf die Beschreibung daf\u00fcr zu. Mit \u201eMorgun I mars\u201c zeigte die K\u00fcnstlerin den zauberhaften Folk-Pop aus der Nordatlantikregion von seiner sch\u00f6nsten Seite, bevor es zum Abschluss noch weitere Kostproben vom neuen Album gab.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Hauptband des Abends stammte ebenfalls von der Insel aus Feuer und Eis. Die Musik <a href=\"http:\/\/www.arstidir.com\/\" target=\"_blank\">\u00c1RSTI<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><a href=\"http:\/\/www.arstidir.com\/\" target=\"_blank\">\u00d0IR<\/a>s ist stark von den Traditionen ihrer Heimat gepr\u00e4gt und verkn\u00fcpft den a<\/span>kustischen Folk mit zeitgen\u00f6ssischen Einfl\u00fcssen<span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\">. Die Vielseitigkeit der Musiker ist erstaunlich, sie alle spielen noch in weiteren Projekten, deren Bandbreite von klassischer Musik \u00fcber Jazz und Folk bis hin zu Prog-Rock und Metal reicht. Gut gelaunt betrat das Sextett nach einer kurzen Pause die B\u00fchne und die Musiker begannen, noch einmal<\/span> ihre Instrumente zu stimmen. Lediglich J\u00f3n am Klavier hatte noch einen Moment Pause.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/132638198@N02\/19116771815\/in\/album-72157654596435220\/\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/farm4.staticflickr.com\/3768\/19116771815_127acd3b2e_z.jpg\" alt=\"Arstidir\" width=\"425\" height=\"640\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Sie singen gern, erz\u00e4hlen die Musiker, bei denen allein schon die Anzahl der Bandmitglieder f\u00fcr einen deutlich volleren Klang als bei den ersten Bands des Abends sorgte. Im Gesang lag auch die St\u00e4rke der Band, der die Freude am Musikmachen den ganzen Abend \u00fcber anzumerken war. Mit ihrem teils sechsstimmigen Satzgesang deckten<span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"> die Musiker<\/span> eine gro\u00dfe stimmliche Bandbreite ab, die einzelnen Stimmen waren dabei beeindruckend genau aufeinander abgestimmt. <a href=\"http:\/\/www.arstidir.com\/\" target=\"_blank\">\u00c1RSTI<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><a href=\"http:\/\/www.arstidir.com\/\" target=\"_blank\">\u00d0IR<\/a> ist ohnehin keine Band, die viel dem Zufall \u00fcberl\u00e4sst: die sechs Isl\u00e4nder sind <\/span>Perfektionisten, die ihre Musik mit viel Liebe zum Detail arrangieren und konsequent umsetzen. Ihrer Gesangsleidenschaft folgend haben sie es sich nat\u00fcrlich nicht nehmen lassen, auch ein eigenes a capella-St\u00fcck zu schreiben. Bei dem einen St\u00fcck ohne Begleitung blieb es aber nicht, mehrmals lie\u00dfen die Musiker ihre Instrumente stehen und liegen und gruppierten sich am vorderen B\u00fchnenrand um die Mikrofone. Eines der unbegleiteten Lieder war ein traditionelles isl\u00e4ndisch St\u00fcck, dessen Text schon im Jahr 1208 geschrieben wurde. Es erz\u00e4hlte von einem Mann, der an seinen Kampfwunden stirbt und nun zu Gott fleht: \u201eHe wasn&#8217;t even killed by a sword, he just got a stone in the head\u201c, merkte J\u00f3n an. Die Melancholie ist in der Musik des Sextetts allgegenw\u00e4rtig, wird aber bewusst dosiert und nimmt nie \u00dcberhand.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eines der ersten Lieder das die Band je zusammen gespielt hat war \u201eAges\u201c, eines der wenigen englischsprachigen Lieder, die es an diesem Abend auf die Setlist schafften. Bis heute hat es nichts von seinem Zauber verloren. W\u00e4hrend hier der Schwerpunkt vornehmlich auf den Gitarren, die beiden Akustikgitarren gespielt von Daniel und Gunnar M\u00e1r Jakobsson und die Bassgitarre von Ragnar \u00d3lafsson, lag, kamen in St\u00fccken wie \u201eLjod i sand\u201c die Streicher besonders gut zur Geltung. Doch nicht nur alte St\u00fccke wurden gespielt, sondern der Abend wurde zum echten Premierenabend: Wie schon bei <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/gudridhansdottirmusic\" target=\"_blank\">GU<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/gudridhansdottirmusic\" target=\"_blank\">\u00d0RI\u00d0 HANSDOTTIR<\/a> gab es auch bei <a href=\"http:\/\/www.arstidir.com\/\" target=\"_blank\">\u00c1RSTI\u00d0IR<\/a> erst k\u00fcrzlich geschriebenes Material zu h\u00f6ren. Ein St\u00fcck war sogar so neu, dass es nicht einmal einen Namen hatte, und auf den ersten Konzerten der Tour noch nicht gespielt worden war. <\/span>Die Isl\u00e4nder beschlossen ihr Set mit \u201eShades\u201c und \u201eTarin\u201c, die in der Liveversion nahtlos ineinander \u00fcbergingen. \u201eDid that mean you want more?\u201c, erkundigte sich die Band nach dem begeisterten Applaus, bevor sie das im Original von Billy Joel stammende \u201eAnd so it goes\u201c anstimmten. W\u00e4hren sie sich in Strophen mit dem Gesang abwechselten wurde der Refrain gemeinsam gesungen. Anschlie\u00dfend stiegen die sechs von der B\u00fchne und stellten sich direkt vor das Publikum. So gaben die Musiker zum Abschluss noch einen alten isl\u00e4ndischen a-Capella-Partysong zum Besten und zeigten dabei, dass sie ohne Mikrofone, ohne Instrumente und f\u00fcr ein St\u00fcck sogar g\u00e4nzlich ohne Melancholie auskommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Fazit: <span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><a href=\"http:\/\/www.arstidir.com\/\" target=\"_blank\">\u00c1RSTI\u00d0IR<\/a> ist eine besondere Band, die auf gro\u00dfen Festivalb\u00fchnen wie beim TFF in Rudolstadt ebenso \u00fcberzeugt, wie im verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinem, famili\u00e4ren Rahmen. Ein wunderbarer Abend zum Zuh\u00f6ren, Tr\u00e4umen und Genie\u00dfen. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemessen an der geringen Einwohnerzahl hat Island einen \u00fcberproportional hohen Anteil an Musikern. Zwar schaffen l\u00e4ngst nicht alle davon den Sprung aufs Festland, doch einige finden auch zunehmend in Deutschland Fans und Zuh\u00f6rer. Vergangene Woche war ein Abend im Erlanger &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/gesehen\/musik-live\/arstidir-myrra-ros-gudrid-hansdottir-e-werk-erlangen-konzertbericht\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":33,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[145,138],"tags":[162,159,160,161],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5906"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/33"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5906"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5906\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6032,"href":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5906\/revisions\/6032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5906"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5906"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schubladenfrei.com\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5906"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}