Deine Lakaien – Serenadenhof, Nürnberg (Konzertbericht)

DeineLakaien

Seit über fünfundzwanzig Jahren musizieren DEINE LAKAIEN bereits gemeinsam und sind eine feste Institution der elektronischen Avantgarde-Szene. Etwas ganz besonderes sind seit jeher die Akustikkonzerte der Band, auf denen Pianist Ernst Horn und Sänger Alexander Veljanov ihre Lieder in filigranen, unverstärkten Versionen präsentieren. Zum Abschluss ihrer diesjährigen Akustiktour verbrachten DEINE LAKAIEN einen Abend im ausverkauften Serenadenhof in Nürnberg. Nach vielen Auslandsaufenthalten in letzter Zeit war die Band nun wieder in der Heimat und freute sich darüber, ein begeistertes Publikum vorzufinden. „Portugiesisch kommt mir nicht so leicht von den Lippen – Fränkisch aber schon. Basst scho!“ Zwischen den efeubewachsenen Backsteinwände waren Stuhlreihen aufgebaut, eine niedrig gestutzte Hecke wuchs zwischen Bühne und Publikum und zum Schutz vor Regen war der nach oben offene Hof in der Mitte mit einer Zeltplane überspannt. Zwar war für den Abend Regen angekündigt, doch das Wetter hielt und ermöglichte den Besuchern beinahe ungetrübten Konzertgenuss – Etwas geschmälert wurde die Freude nur dadurch, dass der Sound nicht ideal abgemischt war, was bei dieser Musik natürlich schneller ins Gewicht fällt, als im Rockbereich.

Acht Jahre nach ihrer ersten Akustikscheibe hat die Band auf ihrem zweites Akustikalbum veröffentlicht. An der Liederauswahl der neuen CD orientierte sich auch das an diesem Abend gespielte Liveset, das von einer zwanzigminütigen Pause in zwei Hälften geteilt wurde. So waren etliche Stücke noch nicht bei letzter Akustiktour 2011 dabei, sondern stammten vom letzten Studioalbum „Indicator“. Bei diesen neueren Liedern schien jedoch teils noch etwas die Live-Routine zu fehlen. Doch nicht alle gespielten Lieder sind auf Studioalben erhältlich: So beispielsweise „A Fish Called Prince“, das auf einer Kurzgeschichten von Neil Gaiman basiert.

Auffällig war, dass die Musik in der reduzierten Fassung deutlich kraftvoller wirkte, als wenn sie mit großer Besetzung gespielt wurde, wie zuletzt im Löwensaal in Nürnberg. Besonders Horn am präparierten Flügel statt am Laptop wirkte deutlich motivierter als beim letzten Besuch der Frankenmetropole und zeigte eindrucksvoll, was sich klanglich – weit über das klassische Spektrum hinaus – aus einem Flügel herausholen lässt. So schlug der Musiker in „Mirror Men“ mit Drumsticks immer schneller direkt auf die Saiten des aufgeklappten Flügels und wechselte erst direkt bevor Alexander Veljanov wieder zu singen begann zurück an den Tasten. Der Flügel stützte die markante, tiefe Stimme Veljanovs perfekt, wirklich eine musikalische Symbiose! DEINE LAKAIEN, denen man die lange gemeinsame Musikgeschichte mit jedem Ton anhörte, präsentierten intensive Musik zum aufmerksamen Zuhören und entspannten Genießen, die trotz des melancholischen Grundtons nie ins depressive abrutscht. Das Publikum wusste es zu schätzen und belohnte die Band schon zwischen den Liedern mit mehr Applaus, als manch andere Bands insgesamt bekommen, wodurch die ersten Worte der Band nach den Songs meistens im Jubel untergingen. „Trotz allen Applauses ein Lied, das noch immer von schrecklicher Aktualität ist und das wird sich wohl auch nicht ändern.“ Anschließend wendete sich die Band wieder etwas Hoffnungsvollerem zu. Einige Zeilen von „Return“ wurden eher gesprochen als gesungen – das Publikum lauschte in absoluter Stille. Langsam wurde es dunkler und das wenige Licht auf der Bühne kam besser zur Geltung. So war die Bühne zu „Fighting the Green“ in ebenjene Farbe gehüllt. „Wichtig noch: Dies war kein Kommentar oder Empfehlung zum bevorstehenden… ihr wisst schon, Kreuzchen machen“, witzelte Veljanov, der den ganzen Abend über auffallend gut gelaunt und zu Scherzen aufgelegt war. Mal nahm er auf dem Barhocker Platz, der vor dem Mikrophon platziert wurde, dann lief er wieder mit dem Mikroständer in einer Hand über die Bühne. Sobald der Musiker sich zur Bühnenrückwand umdrehte verschmolz er, schwarz gekleidet wie er war, beinahe völlig mit dem Hintergrund.

Nach dem regulären Set, zu dessen Highlights wohl neben dem umjubelten „Mirror Men“ das gesanglich perfekt akzentuierte „Dark Star“ gehörte, beendete die Band den Abend „weil es wirklich wunderbar ist mit euch“ mit den drei vom Publikum im Vorfeld am meisten gewünschten Lieder. Darunter war die „One Night“-Übersetzung „Bei Nacht“, „Wunderbar“ und der Klassiker „Love me to the End“, der dem Publikum bereits nach den ersten Tönen lautstarken Jubel entlockte. „Vielen Dank, ihr wart großartig!“, verabschiedete sich die Band am Ende – und zur Abwechslung war dieses Lob tatsächlich keine Übertreibung.

Setlist:

01. Where you are
02. Second Sun
03. Who’ll save your world
04. The Game
05. Follow me
06. One Night
07. A Fish Called Prince
08. Mirror Men
09. Return
10. Gone
11. Without your words
12. Fighting the Green

13. Vivre
14. Over and Done
15. Away
16. Blue Heart
17. Dark Star

18. Bei Nacht
19. Wunderbar
20. Love me to the End



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Janina Stein

Über Janina Stein

Kulturgeographin, Fotografin und freie Journalistin, zuletzt 1 ½ Jahre unterwegs in Neuseeland, Australien und Asien. janina.stein (at) schubladenfrei.de
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