BUBE DAME KÖNIG – Winterländlein (CD-Review)

bube-dame-koenig-winterlaendlein-coverNach dem erfolgreichen Debüt „Traumländlein“ entführt uns die Hallenser Band BUBE DAME KÖNIG nun, passend zur Jahreszeit, ins „Winterländlein“. Wie schon auf dem Erstling widmen sie sich traditionellem deutschen Liedgut und entstauben dieses dabei gehörig.

So hat bereits der Anfang mit Luthers berühmtem „Vom Himmel hoch…“ nichts mit besinnlicher Kirchenchor-Romantik oder dem leisen Pling-Pling von Großmutters erzgebirgischer Weihnachts-Spieluhr zu tun. Der Klassiker kommt wunderschön swingend und mit einem deutlichen Tempo-Upgrade daher. Auch das folgende „Winterwind“, das an ein altes gälisches Volkslied angelehnt ist und nach mehrmaligem Hören des Albums langsam aber sicher zu meinem absoluten Lieblingslied avanciert, behält die federleicht-swingende Atmosphäre des Openers bei. Weihnachtsmusik kann und darf durchaus tanzbar sein! Mit dem Song bleiben Juliane Weinelt (Gesang, Querflöte, Maultrommel),
Till Uhlmann (Drehleier, Violine, Backgroundgesang) und Jan Oelmann (Gesang, Akustikgitarre, Violine, Stompbox) auch einer Masche treu, die schon auf ihrem Debüt wunderbar funktioniert hat, nämlich ursprünglich aus dem fremdsprachigen Raum stammende Melodien mit einem neuen deutschen Text zu versehen. Weitere Beispiele sind das melancholische „Trauervögelein“, dessen Refrainmelodie an das irische „The Bonny Light Horseman“ angelehnt ist und „Bärenschlaf“, bei dem das englische Weihnachtslied „Sweet Chiming Christmas Bells“ Pate stand.
Neben diesen „Umdichtungen“ und weiteren Klassikern wie etwa „Maria durch ein Dornwald ging“ finden sich auf dem Album natürlich auch reine Eigenkompositionen. Dabei beschäftigt sich die Band – auch das etwas, was man bereits von „Traumländlein“ kennt – teilweise mit Sagen und Geschichte(n) ihrer Heimatregion. So basiert der Text von „Knecht Ruprecht“ auf einer alten Erzählung aus dem Saalekreis und mit „Stille Nacht im August“ setzen sie einem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Halle sehr bekannten Straßenmusiker, dem „Zither-Reinhold“ (Reinhold Lohse, 1878-1964), ein bleibendes Denkmal.
Das Ergebnis einer weiteren schönen Idee findet man im Booklet: Für die Finanzierung der CD hatte man im Vorfeld ein Crowdfunding-Projekt gestartet, bei dem die Fans Songpatenschaften übernehmen und die Lieder damit von ihnen bestimmten Personen widmen konnten.

Fazit: So muss deutsche Folk(s)musik klingen. Wirkliche Überraschungen findet man zwar nicht, denn die Band setzt durchweg auf das bereits beim Debüt bewährte Rezept. Aber wieso sollte man auch die Würzung eines Gerichts ändern, wenn es so bereits hervorragend schmeckt? Mit „Winterländlein“ präsentieren BUBE DAME KÖNIG ein wunderschönes Album für die stille Jahreszeit, abseits von abgenudeltem Radio-Einheitsbrei und verstaubter Tradition. Instrumentale Virtuosität und Juliane Weinelts glockenklare Stimme machen die CD zu einem wirklichen Hörgenuss. Der Advent kann kommen!

Wer mal reinhören will, kann dies hier tun:

 

Tracklist:

1. Vom Himmel Hoch, da komm ich her
2. Winterwind
3. Kaspar, Melchior & Balthasar (Sternsingerlied)
4. Trauervögelein
5. Maria durch ein Dornwald ging
6. Knecht Ruprecht
7. Bärenschlaf
8. Es ist für uns eine Zeit angekommen
9. Vom Himmel hoch, o Englein kommt
10. Stille Nach im August (Zither-Reinhold-Lied)
11. Stehn zwei Stern am hohen Himmel
12. Stroh
13. Feinslieb

 

BUBE DAME KÖNIG
„Winterländlein“
CPL-Music
(2016)



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Florian Hessler

Über Florian Hessler

Archäologe, Historiker und freier Journalist (u.a. Zillo Medieval, Sonic Seducer, Miroque, Metal-District, Piranha) floh.hessler(at)schubladenfrei.de
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